Arabischer Frühling ebnete Islamisten den Weg zur Macht

Bei den ersten freien Wahlen in Tunesien überhaupt zeichnet sich ein Erdrutschsieg der islamistischen Partei Ennahda ab. Möglich wurde das erst durch den „Arabischen Frühling“, welcher in dem einst säkularen Staat seinen Ausgang nahm.

Tunis – Bei der Wahl in Tunesien zeichnet sich ein Sieg der Islamisten und damit ein politischer Umschwung in dem bisher eher säkularen Staat ab.

Die meisten Prognosen deuteten am Montag daraufhin, dass sich die Ennahda-Partei den größten Anteil der Stimmen bei der ersten freien Abstimmung am Sonntag sichern konnte. Die Partei geht davon aus, dass sie bis zu 50 Prozent der Stimmen errungen hat.

Eine Sprecherin der sozialdemokratischen PDP bestätigte den Trend. Die Partei lag in Wahlumfragen auf Platz zwei, auf den aber auch die gemäßigt linke Kongress-Partei für die Republik (CRP) hoffte. Das vorläufige Endergebnis wurde erst für Dienstag erwartet.

Signal für andere Umsturzländer

Da Tunesien der Pionierstaat des „Arabischen Frühlings“ ist, gilt der Wahlausgang auch als Signal für die politische Stimmung in anderen Umsturzländern wie Ägypten und Libyen.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Neun Monate nach dem Sturz von Langzeit-Machthaber Zine el Abidine Ben Ali waren am Sonntag rund sieben Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, die 217 Mitglieder einer verfassungsgebenden Versammlung bestimmen. Diese soll einen neuen Übergangspräsidenten ernennen und ein Grundgesetz erarbeiten. Für die 217 Sitze in der Versammlung kandidierten insgesamt 11.618 Bewerber.

90 Prozent Wahlbeteiligung

Über die Wahlbeteiligung gab es zunächst nur ungenaue Informationen. Ein Mitarbeiter der Wahlkommission sagte, dass von den 4,1 Millionen registrierten Wahlberechtigten mehr als 90 Prozent abgestimmt hätten. Zudem gab es aber rund drei Millionen nichtregistrierte Wahlberechtigte. Sie durften ebenfalls in speziellen Wahllokalen ihre Stimme abgeben.

Nach Angaben von EU-Wahlbeobachtern verlief der historische Tag im Großen und Ganzen problemlos. „Es gab vereinzelte Unregelmäßigkeiten, aber das waren alles Dinge, die in keiner Weise dramatisch sind“, sagte der Chef der EU-Wahlbeobachter, Michael Gahler. „Da lernt man daraus und macht es beim nächsten Mal besser.“

Stundenlange Wartezeiten

Als nicht optimal bezeichnete der deutsche Europaabgeordnete die stundenlangen Wartezeiten vor den Wahlurnen. Die Menschen hätten aber mit viel Geduld reagiert, sagte Gahler. Es sei beeindruckend gewesen, wenn 50-jährige Männer stolz von der ersten Stimmabgabe in der Geschichte ihres Lebens berichtet hätten.

Sowohl in Tunesien als auch im Ausland wurde die Abstimmung als wichtige Bewährungsprobe für die Revolutionsbewegung in der ganzen arabischen Welt gewertet. Im Jänner hatten die Tunesier als erstes Volk in der Region erfolgreich gegen die autoritäre Herrschaft ihrer Führung rebelliert. (APA/Reuters/dpa)


Kommentieren


Schlagworte