Ein kleines Wunder: Baby, Mutter und Großmutter lebend geborgen

Unermüdlich suchen die Retter auch zwei Tage nach dem schweren Erdbeben im Osten der Türkei unter den Trümmern nach Überlebenden. Die Zahl der Todesopfer stieg auf 459.

Ercis - Zwei Tage nach dem schweren Erdbeben im Südosten der Türkei ist die Zahl der Toten auf 459 angestiegen. Nach Angaben des Krisenstabes der Regierung gibt es zudem 1352 Verletzte.

Auch das Ausmaß der Zerstörung wurde am Dienstag immer deutlicher. Die Behörden korrigierten die Zahl der zerstörten Häuser von 970 auf 2262. Zugleich bargen Rettungsmannschaften am Dienstag weitere Menschen lebend aus den Trümmern, darunter ein zwei Wochen altes Baby, seine Mutter und seine Großmutter.

Baby, Mama und Oma geborgen

Die Familie war am Sonntag von dem Beben der Stärke 7,2 in ihrer Wohnung überrascht worden. Stundenlang versuchten Bergungsmannschaften an die sie heranzukommen. Dann meldeten sie einen ersten Erfolg: Unter dem Beifall der wartenden Menschen zogen sie zunächst die kleine Azra Karaduman aus den Trümmern und brachten sie in ein Krankenhaus. „Als ich die Kleine in meinen Armen hielt, war ich der glücklichste Mensch der Welt“, erzählte Azras 35-jähriger Retter Kadir Direk. Wenige Stunden später folgten Mutter Seniha und Großmutter Gulzade.

Die Retter konzentrierten sich auf die am schlimmsten getroffene Stadt Ercis mit rund 100.000 Einwohnern sowie die Provinzhauptstadt Van mit einer Million Bewohner. Mehr als 2200 Gebäude sind wegen des Bebens eingestürzt.

Zu den Geretteten gehörte der 18-jährige Mesut Özan Yilmaz. „Es war wie das Jüngste Gericht“, schilderte der unverletzt gebliebene junge Mann auf CNN Türk seine 32 Stunden in den Trümmern eines Teehauses. Die mit ihm verschütteten Menschen hätten versucht, sich Platz in der Enge zu schaffen. „Ich habe meinen Kopf auf den Fuß eines toten Mannes gelegt.“ Wenn er innerlich aufgegeben hätte, wäre er gestorben, sagte der Mann.

Kritik an mangelnder Hilfe

Nachdem viele Menschen die zweite Nacht in Folge im Freien bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und ohne Zelte verbringen mussten, wurde die Kritik an dem Einsatz und an der mangelnden Hilfe zunehmend lauter. Einwände gab es auch aus der regierenden islamisch-konservativen Regierungspartei AKP. Unterdessen verstärkte der türkische Rote Halbmond seine Hilfsbemühungen. Noch am Dienstag sollten 12.000 weitere Zelte in dem Krisengebiet verteilt werden.

Die Türkei wird immer wieder von heftigen Erdbeben heimgesucht. Das Beben vom Sonntag hatte eine Stärke von 7,2. Besonders schwer hat es die Provinz Van im Südosten des Landes an der Grenze zum Iran getroffen. Sie wird mehrheitlich von Kurden bewohnt.

In der Gegend kommt es oft zu Auseinandersetzungen zwischen der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK und der türkischen Armee. Nicht einmal das Leid kann die tiefen Gräben zwischen Kurden und Türken überbrücken: Im Internet wird das Erdbeben von einigen Usern als „Strafe Gottes für den Terror der PKK“ angesehen. (APA/Reuters/AFP/dpa)


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