Gaddafi im Morgengrauen an unbekanntem Ort beerdigt

Der Übergangsrat bestätigte die Beisetzung. Bei einer Explosion in Sirte starben am Montagabend etwa 100 Menschen. Es soll sich aber nicht um einen Anschlag gehandelt haben.

Kairo – Der in der Vorwoche getötete libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi und sein Sohn Mutassim sind nach Angaben des Militärrats in Misrata in der Nacht zum Dienstag beigesetzt worden. Gaddafi wurde an einem „geheimen Ort“ beerdigt, sagte ein Vertreter des Militärrats, der anonym bleiben wollte. Der Bericht wurde von Vertretern des Nationalen Übergangsrates bestätigt.

Der Diktator soll laut dem Sender Al-Jazeera bei Morgengrauen in der Wüste begraben worden sein. Die Übergangsregierung hatte zuvor erklärt, es sei ein „einfaches Begräbnis“ in Anwesenheit muslimischer Geistlicher geplant. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP wurde auch Gaddafis Verteidigungsminister Abu Bakr Younis al-Jabr gemeinsam mit dem Diktator und seinem Sohn beigesetzt.

Obduktionsbericht in einigen Tagen

Gaddafi war am vergangenen Donnerstag in seiner Geburtsstadt Sirte gefangengenommen und anschließend getötet worden. Sein Leichnam wurde danach tagelang in einem Kühlraum in Misrata zur Schau gestellt. Ob er bei Gefechten starb oder gezielt von Truppen der Übergangsregierung umgebracht wurde, ist noch unklar. Der Gaddafi-Sohn Mutassim sowie der frühere Verteidigungsminister starben ebenfalls am Donnerstag in Sirte.

Die libysche Führung hatte zuvor ihr Bedauern über den Tod Gaddafis zum Ausdruck gebracht. Er hätte Gaddafi lieber vor Gericht gesehen, so der Chef der Übergangsregierung, Mahmoud Jibril. Die UNO-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay und Menschenrechtsorganisationen hatten eine Untersuchung der Todesumstände Gaddafis gefordert. Von Vertretern Russlands war auch eine angebliche Beteiligung der NATO an der Tötung Gaddafis kritisiert worden, die es zu untersuchen gelte. Vertreter der NATO hatten nach der Tötung Gaddafis erklärt, dass der militärische Auftrag des Bündnisses in Libyen erfüllt sei.

Ein Obduktionsbericht von Gaddafi soll nach Angaben des untersuchenden Arztes Othman al-Sentani erst in einigen Tagen veröffentlicht werden. Bisher könne er lediglich bestätigen, dass Gaddafi durch Schussverletzungen getötet worden sei, sagte der Mediziner. Zur Bekanntgabe weiterer Details brauche er die Zustimmung seines Vorgesetzten, des Generalstaatsanwalts. Nach Angaben des Arztes habe es sich um eine Autopsie nach internationalen wissenschaftlichen Standards gehandelt.

Explosion in Sirte

Sirte wurde am Montagabend von einer schweren Explosion erschüttert. Mehr als 100 Menschen starben nach Angaben des Nationalen Übergangsrats. Zudem wurden 50 Menschen verletzt. Augenzeugen berichteten, es habe auf einem Gelände des staatlichen Energiekonzerns großes Gedränge gegeben, als Bewohner der Stadt dort nach Kraftstoff und Gaszylindern für ihren privaten Bedarf gesucht hätten.

Auf dem Gelände des Treibstofflagers lägen „Dutzende verkohlte Leichen“, berichtete ein in Kommandant der Truppen des Übergangsrats. Durch die „enorme Explosion“ wurde ein großes Feuer ausgelöst.

Nach ersten Hinweisen handelte es sich nicht um einen Anschlag, meldete der Nachrichtensender Al-Arabija. In Sirte war die Versorgungslage in den Wochen der Kämpfe zwischen den Truppen des Übergangsrates und den Einheiten des früheren Machthabers Muammar al-Gaddafi sehr schlecht gewesen.

(APA/Reuters/dpa/AFP, tt.com)


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