Philipp Reis und sein Telephon

Der hessische Lehrer sorgte mit der Erfindung seines Fernsprechers entscheidend für grundlegende Veränderungen in der menschlichen Kommunikation.

Berlin – Am 26. Oktober ist es genau 150 Jahre her, dass Philipp Reis einen Prototyp seines „Telephons“ erstmals öffentlich vorstellte. „Die Sonne ist von Kupfer“ und „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“, sollen die ersten Sätze gewesen sein, die in sein selbst gebasteltes „Telephon“ gesprochen und im Nebenraum empfangen wurden. Mit der Erfindung dieses Apparats trug der Deutsche maßgeblich zur Entwicklung des heutigen Telefons bei.

Als Sohn des Bäckermeisters und Landwirts Karl und Marie Reis wurde Philipp am 7. Januar 1834 in Gelnhausen (Hessen) geboren. Ein Jahr nach seiner Geburt verstarb die Mutter, auch seinen Vater verlor Reis vor seinem 10. Geburtstag. Nach dem Tod der Eltern übernahm sein Patenonkel Philipp Bremer die Fürsorge für den Jungen.

Die Leidenschaft für Naturwissenschaften und Bastelei wurde bei Reis schon früh geweckt. Während seiner Ausbildung in einer Farbwarenhandlung bildete sich der jugendliche Reis in Mathematik und Mechanik weiter. Auch das Drechseln erlernte er.

Reis erfand auch Rollschlittschuhe

Nach dem Wehrdienst im Jahr 1855 ließ sich Reis in Frankfurt zum Lehrer ausbilden. Als solcher arbeitete er ab 1858 am Knabeninstitut Garnier in Friedrichsdorf, das er im Alter von elf Jahren selbst als Schüler besucht hatte. Dort unterrichtete er zunächst Französisch, später auch Mathematik, Physik und Chemie. Als begeisterter Bastler und Tüftler erfand er diverse Geräte, darunter Rollschlittschuhe und ein Fortbewegungsmittel, das sich über Hebel mit den Händen in Gang setzen ließ.

Schließlich wurde die elektrischen Sprachübertragung zu Reis‘ Lebensaufgabe. Dabei inspirierten ihn Anatomie und Funktionsweise des menschlichen Ohrs. Auf deren Grundlage entwickelte er zwischen 1861 und 1864 einen Apparat, den er - in Anlehnung an den Telegraphen - „Telephon“ nannte.

Keine Anerkennung zu Lebzeiten

Jedoch waren Sender und Empfänger bei Reis‘ Konstruktion so schlecht aufeinander abgestimmt, dass Musik zwar relativ gut, Sprache aber nur bedingt übertragen werden konnte. Die von ihm gewünschte Anerkennung seiner Erfindung blieb Zeit seines Lebens aus. Am 14. Januar 1874 starb Philipp Reis in Friedrichsdorf nahe Frankfurt am Main an Lungenschwindsucht. Er hinterließ seine Frau Margarethe und zwei Kinder.

Zwei Jahre nach seinem Tod meldete der Erfinder Alexander Graham Bell in den USA ein von ihm entwickeltes Telefon zum Patent an. Es funktionierte nach anderen Prinzipien als Reis‘ Apparat, dennoch kamen dem Erfinder Reis‘ Erkenntnisse wohl zugute. Denn obwohl Bell stets bestritt, dass ihn Reis‘ Telefonapparat beeinflusst habe, wird er ihn zumindest gekannt haben. (dapd)


Kommentieren


Schlagworte