Schuldenkrise bremst Deutsche Bank aus

Das Privatkundengeschäft und die Vermögensverwaltung konnten die Flaute an den Kapitalmärkten im Sommer nicht wettmachen.

Frankfurt - Gewinnschmelze, Stellenabbau und entzauberte Investment-Gurus: Die Schuldenkrise in Europa hinterlässt bei der Deutschen Bank tiefe Spuren. Der deutsche Branchenprimus verdient nur noch einen Bruchteil dessen, was seine Banker in normalen Zeiten schaffen. „Im dritten Quartal war das operative Umfeld so schwierig wie seit dem Jahresende 2008 nicht mehr“, entschuldigte Vorstandschef Josef Ackermann die schwachen Zahlen am Dienstag.

750 Mio. Euro Nettogewinn

Das Privatkundengeschäft und die Vermögensverwaltung konnten die Flaute an den Kapitalmärkten im Sommer nicht wettmachen. Die Bank musste sich mit einer Dreiviertel-Milliarde Euro Nettogewinn begnügen, Experten hatten noch weniger erwartet. Finanzvorstand Stefan Krause sieht die Bank trotzdem gut vorbereitet, die Schuldenkrise aus eigener Kraft zu überstehen: Staatshilfe sei für Deutschlands größtes Geldhaus kein Thema.

Seit den Zeiten, als die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers ihr 8 Mrd. Euro Verlust im Investmentbanking einbrockte, hat die Deutsche Bank die Risiken drastisch heruntergefahren. Trotzdem musste der scheidende Vorstandschef Ackermann das Ziel eines Rekordgewinns von 10 Mrd. Euro 2011 im Kerngeschäft bereits Anfang Oktober kassieren. Er hatte große Hoffnung in seinen Chef-Investmentbanker und designierten Nachfolger Anshu Jain gesetzt, der traditionell den Löwenanteil zum Gewinn beisteuert. Nach neun Monaten sind es vor Steuern 6,3 Mrd. Euro inklusive aller Sonderfaktoren, Analysten schätzen für das Gesamtjahr rund 7 Mrd. Euro. Die Deutsche-Bank-Aktie trat am Dienstag auf der Stelle.

Auch die verschärften Kapitalanforderungen knabbern an den Gewinnen. Nun wollen die Regulierer Europas größten Banken bis Juni 2012 eine Kernkapitalquote von neun Prozent der gewichteten Bilanzsumme verordnen, damit sie auch eine Pleite Griechenlands verkraften. Die Deutsche Bank könne die entstehende Kapitallücke allein dadurch schließen, dass sie ihre Bilanzsumme wie geplant reduziere, sagte Finanzchef Krause. Selbst eine stabile Dividende von 75 Cent je Aktie könne sie sich dann noch leisten. „Deshalb sind wir so gewiss, dass wir keine öffentlichen Gelder brauchen“, betonte er. Der Vorstand werde sich nicht von der Politik unter Druck setzen lassen, aus diplomatischen Gründen Staatshilfe anzunehmen. „Es wird klare Regeln geben, und wir werden sie erfüllen.“ Equinet-Analyst Philipp Häßler schrieb, es sei sehr unwahrscheinlich, dass die Deutsche Bank neues Kapital brauche, um die Quoten zu erfüllen.

Anleger durch Krise verunsichert

Rund um den Globus sind die Anleger durch die Schuldenkrise so verunsichert, dass sie sich im Handel mit Aktien, Anleihen und Devisen zurückhielten. Auch bei Fusionen, Übernahmen und Kapitalerhöhungen herrscht Flaute. Dem kann sich die Deutsche Bank nicht entziehen. Sie schrieb im Kapitalmarktgeschäft (CB&S) im dritten Quartal nur noch einen Mini-Gewinn von 70 Mio. Euro vor Steuern - so wenig wie seit der Lehman-Krise nicht mehr. Ein Jahr zuvor hatte die Investmentbanker von „Anshu‘s Army“ noch mehr als eine Milliarde herangeschafft. Nun werden Stellen gestrichen. Im Frühjahr 2012 werde die Bank rund 1.500 Investmentbanker weniger beschäftigen als noch vor einem Jahr. Und das muss nicht das Ende sein: „Wir passen die Plattform an und werden das auch weiterhin tun, wenn sich am Umfeld nichts ändert“, sagte Krause.

Ein juristisches Problem kommt im Investmentbanking hinzu. Ein Umsatzsteuerbetrug mit CO2-Verschmutzungsrechten, der über die Deutsche Bank abgewickelt worden war, kostet das Institut 310 Millionen Euro an Umsatzsteuer, die es wohl nicht mehr vom Fiskus zurückfordern kann.

Von einer geringeren Bewertung ihrer eigenen Verbindlichkeiten in der Bilanz machte die Deutsche Bank kaum Gebrauch. Ihren US-Wettbewerbern hatte der Kniff zuletzt teils milliardenschwere Buchgewinne gebracht. Hätte Deutschlands größtes Geldhaus ebenfalls Marktwerte angesetzt, hätte es nach eigenen Angaben auf dem Papier 2,9 Mrd. Euro eingestrichen. Mit diesem Trick kam die Schweizer Konkurrentin UBS trotz ihres milliardenschweren Handelsskandals auf einen Quartalsgewinn von gut einer Milliarde Franken (814 Mio. Euro).

Das mit der Postbank-Übernahme deutlich ausgebaute Privatkundengeschäft wirft dagegen immer mehr ab. Hier verdiente die Deutsche Bank im abgelaufenen Vierteljahr vor Steuern 310 Mio. Euro, ein Plus von 27 Prozent. Dabei konnte sie es sich sogar leisten, ihre vor allem bei der Postbank liegenden griechischen Staatsanleihen um 54 Prozent auf Marktwerte abzuschreiben, was im dritten Quartal noch einmal 228 Mio. Euro kostete. Damit kann das Institut die Debatte um einen größeren Forderungsverzicht der privaten Gläubiger für Griechenland relativ gelassen verfolgen. Die Staatsbonds stehen nur noch mit 881 Mio. Euro in ihrer Bilanz. Die Vermögensverwaltungssparte (AWM), zu der der Fondsdienstleister DWS gehört, verdoppelte ihr Ergebnis auf 186 Mio. Euro. (APA/Reuters)


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