Bundeswehr steht vor den tiefsten Einschnitten ihrer Geschichte

Im Zuge der Bundeswehrreform werden in den kommenden Jahren 31 Standorte geschlossen. Das teilte der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch in Berlin mit.

Berlin – Die deutsche Bundeswehr muss die tiefsten Einschnitten ihrer Geschichte verkraften. Jeder fünfte Standort wird in den kommenden Jahren geschlossen oder soweit ausgedünnt, dass seine Besetzung unter 15 Stellen sinkt und er nicht mehr als regulärer Standort gilt. Insgesamt wird es nach künftig nur noch 264 statt bisher knapp 400 Standorte geben. Dies gab Verteidigungsminister Thomas de Maizière am Mittwoch in Berlin bekannt.

Der CDU-Politiker wies darauf hin, dass die Truppe bislang mit 330.000 Stellen - auch Dienstposten genannt - ausgeplant war, von denen 90.000 wegfallen. Das sei für die Standorte eine „schlechte Nachricht“. Gut hingegen sei, dass die Zahl der Dienstposten, die in der neuen Struktur wegfallen, etwa drei Mal so groß sei wie der tatsächliche Personalabbau. Hintergrund ist der ohnehin sinkende Personalstand wegen der abgeschafften Wehrpflicht.

Schleswig-Holstein am stärksten betroffen

Insgesamt gibt es nach Angaben des Ministers 31 „echte“ Standortschließungen. Hinzu kommen weitere 33 Standorte, die mit der Reform künftig weniger als 15 Stellen haben und damit nicht mehr als Standorte gelten. In der Zahl von 31 Schließungen nicht berücksichtigt wurden jene 13 Standorte, deren Schließung noch unter dem früheren Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) beschlossen worden war und die noch offen sind.

Am stärksten betroffen ist Schleswig-Holstein, das derzeit die meisten Soldaten pro 1000 Einwohner hat. Hier werden acht Standorte aufgegeben, das ist jeder vierte auf der Schließungsliste. Die wenigsten Schließungen haben mit jeweils einem Standort Hessen, Sachsen und Thüringen zu verkraften. Ganz von Schließungen verschont bleiben sechs Länder: Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Saarland und Sachsen-Anhalt. Es gebe aber kein Bundesland, das ohne einen Stellenabbau auskommen wird, fügte de Maizière hinzu.

Führungsebenen werden abgespeckt

Zugleich wird die Führungsstruktur verschlankt: Führungsstäbe und Führungskommandos der Teilstreitkräfte werden den Inspekteuren zugeordnet und im Umfang deutlich reduziert. Zugleich werden die Sitze verlegt. Das Kommando Heer zieht nach Strausberg in Brandenburg, das Kommando Luftwaffe nach Berlin-Gatow und das Kommando Marine nach Rostock. Die Streitkräftebasis SKB hat ihren Sitz künftig in Bonn und der Zentrale Sanitätsdienst in Koblenz.

Auch das Verteidigungsministerium selbst wird von derzeit gut 3000 Mitarbeitern um ein Drittel auf 2000 reduziert. Erster Dienstsitz bleibt Bonn, doch sollen die meisten Dienstposten nach Berlin gehen, wo derzeit nur 500 Mitarbeiter tätig sind.

Wenig Hoffnung machte de Maizière schließlich den Ländern auf Unterstützung des Bundes als Ausgleich für Verluste von Standorten. „Der Einzelplan 14 (Wehretat) steht dafür nicht zur Verfügung.“ (dapd)


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