Der mächtigste Mann der Welt zu Besuch in Österreich

Der Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Hu Jintao in Österreich soll die „gute Freundschaft“ und die Wirtschaftsbeziehung der Länder weiter stärken.

Wien – Wenn Hu Jintao am Sonntag am Flughafen Wien Schwechat ankommt, so tut er dies als der „mächtigste Mann der Welt“. Diesen Titel hatte ihm das namhafte US-Magazin „Forbes“ im Vorjahr zugesprochen, womit er US-Präsident Barack Obama von der Spitze verdrängte.

Der Grund dafür liegt auf der Hand, ist sein Land doch im Begriff zur wirtschaftlichen und politischen Führungsmacht des Planeten aufzusteigen. Seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik vor 30 Jahren ist die chinesische Wirtschaft jährlich um zehn Prozent gewachsen, das Pro-Kopf-Einkommen verzwanzigfachte sich von 190 Dollar (1978) auf 4382 Dollar (2010).

Bei seinem Besuch in Österreich geht es also nicht vorrangig um kulturelle und landschaftliche Aspekte, sondern insbesondere um die Stärkung der wirtschaftlichen Verflechtungen. Der Staats- und Parteichef wird laut Medienberichten von einer 160-köpfigen Delegation begleitet.

Wirtschaftsbeziehung boomt

Zwar gehen die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder auf das Jahr 1964 zurück, einen „regelrechten Boom“ habe man aber erst in den vergangenen Jahren erlebt, sagte der Leiter der Außenwirtschaftsorganisation der Wirtschaftskammer Österreich, Walter Koren. Der 1,5 Mrd. Menschen umfassende Wachstumsmarkt berge nach wie vor immense Geschäftschancen für österreichische Unternehmen - insbesondere in Bereichen wie Energie- und Umwelttechnologie, Infrastruktur, Medizintechnik, Maschinenbau, Elektronik und Chemie.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Im aktuellen Fünfjahresplan (2011 bis 2015) der chinesischen Zentralregierung ist ein klares Bekenntnis zu mehr Umweltschutz und zum beschleunigten Ausbau der Infrastruktur festgeschrieben. Dafür ist Know-how aus dem Ausland gefragt. Der Außenhandel zwischen China und Österreich erreichte 2010 ein Volumen von 8,2 Mrd. Euro. Österreichs Ausfuhren legten um 39,7 Prozent auf 2,8 Mrd. Euro zu, die Importe aus China beschleunigten sich um 21 Prozent auf 5,4 Mrd. Euro.

Proteste geplant

Tatsächlich standen Österreich und die Volksrepublik wohl noch nie in so gutem Einvernehmen wie derzeit. Peking verzeiht der Wiener Regierung deshalb wohl auch die eine oder andere symbolische Handlung in Sachen Menschenrechte. So haben es die kommunistischen Machthaber mit bemerkenswerter Gleichmut ertragen, dass Außenminister Michael Spindelegger (V) und Bundeskanzler Werner Faymann (S) bei ihren heurigen Peking-Besuchen demonstrativ auch Regimekritiker besuchten.

Der Besuch Hus wird auch nicht ohne Proteste gegen die Menschenrechtssituation in China vonstattengehen. Die Tibetergemeinschaft Österreich (TGÖ) plant laut Angaben auf ihrer Homepage Proteste am Sonntag vor dem Hotel Imperial sowie am Montag und Dienstag in Salzburg. Auch die in China verbotene Meditationsbewegung Falun Gong kündigte für Montag Protestaktionen an.

Zweiter Besuch überhaupt

Bundespräsident Heinz Fischer hatte China erst im Jänner 2010 einen Staatsbesuch abgestattet. Sein Vorgänger Thomas Klestil hatte das „Reich der Mitte“ 2001 und 1995 besucht, Bundespräsident Rudolf Kirchschläger 1985. Hu ist erst der zweite Präsident des Landes, das zu einem Staatsbesuch nach Österreich kommt. Sein Vorgänger Jiang Zemin war 1999 das erste chinesische Staatsoberhaupt überhaupt gewesen, das unser Land offiziell besucht hat.

Der derzeitige chinesische Regierungschef Wen Jiabao ist übrigens ein bekennender Österreich-Fan. Er habe die Alpenrepublik mehrmals besucht. „Tief beeindruckt“ habe ihn ein Besuch im Jahr 1988, als er den damaligen SPÖ-Spitzenpolitiker und jetzigen Bundespräsidenten Heinz Fischer kennengelernt habe. „Seitdem sind wir gute Freunde“. (TT.com, APA)


Kommentieren


Schlagworte