Erste braucht 750 Millionen Euro, Chefs zahlen Bonus zum Teil zurück

Die von der EU beschlossene Kernkapitalquote von 9 Prozent will Treichl durch Gewinne 2012 und einen Abbau von Risikoposten bewältigen.

Wien – Der Chef der Erste Group, Andreas Treichl, hat den Kapitalbedarf seiner Bank auf 750 Mio. Euro geschätzt, um die neu vorgegebenen Zielquoten beim harten Kernkapital (9 Prozent) zu erfüllen. Das sei eine Summe, die man in den nächsten Quartalen primär aus einbehaltenen Gewinnen stemmen wolle, sagte Treichl.

Es gebe aber mehrere Alternativen zur Kapitalstärkung. Treichl räumte ein, dass man bis Juni „sehr schnell“ sein müsse. „Wir arbeiten daran“. Der Vorstand hat indes einen Teil seines Bonus für 2010 zurückbezahlt, weil Credit Default Swaps („Kreditversicherungen“) neu verbucht und damit abgewertet werden mussten. Die Bonuszahlungen für den Vorstand wurden daher um 35 Prozent oder 1,9 Millionen Euro gekürzt.

Noch auf Basis der Zahlen zum ersten Halbjahr hatte die Erste gestern von 59 Mio. Euro Kapitalbedarf berichtet, die auf die EBA-Vorgaben fehlten. Nun, nach Vorliegen der Neunmonatszahlen und der darin enthaltenen Abschreibungen, Abwertungen und Neuverbuchungen, geht die Bank von 750 Mio. Euro aus.

Treichl kündigte an, dass das gesamte Portfolio an Credit Default Swaps in wenigen Tagen abgetragen sein wird. Seit Ende September sei der Bestand von 5,2 Mrd. Euro „bis gestern abend auf 300 Mio. Euro abgebaut“ worden. Der Rest folge demnächst. „In vier Wochen fünf Milliarden CDS zu verkaufen, ohne dass zusätzliche Kosten anfallen, beweist, dass es hier einen Markt gibt“, befand Treichl.

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Finanzmarktaufsicht ermittelt

Der Erste-Chef rechtfertigte sich im Quartalsbrief heute wegen öffentlich heftig umstrittener Aussagen zur Ertragslage. Weil er Ende September erklärt hatte, die Bank halte an ihrer Gewinnprognose für 2011 fest - und knapp zwei Wochen später eine Verlustwarnung über 800 Mio. Euro machen musste, ermittelt die Finanzmarktaufsicht wegen Verdachts der Marktmanipulation.

Laut Treichl schrieben Medien, „er habe für Ende September ein - tatsächlich nicht existierendes - Gewinnziel bestätigt, obwohl jeder, der die Erste Group genauer beobachtet, weiß, dass wir schon seit mehr als drei Jahren keine Gewinnprognosen gemacht haben.“ Sein Hinweis auf ein starkes Betriebsergebnis sei in der Ursprungsmeldung schon, in späteren Medienberichten aber nicht mehr enthalten gewesen, was „äußerst bedauerlich“ sei, aber „nicht verhinderbar“.

Wegen hoher Abschreibungen auf Ost-Banken, Staatspapiere und die CDS-Abwertungen verbuchte die Bank im 3. Quartal 2011 einen Verlust von 1,49 Mrd. Euro. Nach neun Monaten lag der Nettoverlust bei 973 Mio. Euro. Auch die Verlustprognose von 700 bis 800 Mio. Euro fürs Gesamtjahr wurde am Freitag bestätigt. Die Risikokosten dürften heuer auf 2,3 Mrd. Euro steigen.

Problemkinder in Ungarn und Rumänien

Problemkinder sind die Banken in Ungarn (Verlust bis September: 532 Mio. Euro) und Rumänien (minus 28,4 Mio. Euro). „In Ungarn haben wir selbst Fehler gemacht“, bekannte Treichl. Die ungarischen Gesetze hätten diese noch verschärft. Im schlimmsten Fall könnte man dort zur Abschreibung eines beträchtlichen Teils des Fremdwährungskreditbestandes gezwungen sein.

Auf die Banktöchter in Ungarn und Rumänien schrieb die Erste im 3. Quartal gut 1 Mrd. Euro an Firmenwerten ab. In beiden Banken muss Kapital nachgeschossen werden. (APA)


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