Drei Österreicher schwangen sich mit Snowbikes vom Großglockner

Der Film „Der Weg“ dokumentiert die Erstbefahrung des höchsten Berges Österreichs.

Salzburg – Drei Freunde beschreiten zur Erfüllung ihres Traums einen beschwerlichen Weg: Sie schnallen sich ihre Snowbikes auf den Rucksack und steigen zur Erstbefahrung des Großglockners (3798m) auf. Das Projekt gelingt im April 2010 auf Anhieb: Zwei Salzburger und ein Steirer schwingen sich mit der Mischung aus Mountainbike und Skibob ohne Sturz das 40 Grad steile Glocknerleitl herunter - zu diesem Zeitpunkt gelingt ihnen die höchste Abfahrt, die je mit einem Snowbike absolviert wurde. In „Der Weg. Ein etwas anderer Bergfilm“ dokumentiert der Salzburger Filmemacher Sven Jansel (38) den Ablauf des Abenteuers 25 Minuten lang in authentischen, ruhigen Bildern.

Warum tut man sich diese Strapaze überhaupt an, ist es der Ehrgeiz, Rekorde zu brechen? „Unsere Motivation war, etwas zu machen, was noch keiner getan hat. Mit Snowboards und Ski ist man ja schon den Glockner heruntergefahren. Es war auch diese Herausforderung: Funktioniert es mit Snowbikes oder nicht“, erzählt der Salzburger Harald Brenter (39) im APA-Gespräch. Der Unternehmer und Snowbike-Produzent aus Oberndorf stürzte sich mit Florian Schwarzenbacher (33) aus Flachau und Wolfgang Jast (47) aus Leoben ins Abenteuer. „Wir hätten einen spektakuläreren Berg im Ausland für die Erstbefahrung auswählen können, doch warum nicht den höchsten Berg Österreichs nehmen, der ja einzigartig ist und vor der Haustüre im Nationalpark Hohe Tauern steht?“

Den Großglockner, den dürfe man ohnehin nicht unterschätzen, sagt Filmregisseur und Kameramann Jansel. „Mehr als 250 Menschen haben auf dem Berg ihr Leben gelassen.“

Das Training war hart. Ein Rucksack samt Lawinenausrüstung und dem zerlegbaren Snowbike wiegt 18 Kilogramm. Die drei Abenteurer absolvierten Tausende Höhenmeter in Neukirchen am Großvenediger und in Flachau, um das Equipment auf steilen Abfahrten auszuprobieren. Der Aufstieg zum Großglockner auf den mit Fellen bespannten Mini-Skiern, die beim Abfahren zum Lenken der Snowbikes auf den Schuhen festgeschnallt werden, verlief nahezu unproblematisch. Das Trio stieg die Gipfelgrate des Groß- und Kleinglockners noch zu Fuß ab, am Beginn des Glocknerleitls setzten sie sich auf die Snowbikes. „Da zog schon der Nebel auf. Ohne unseren Bergführer Andreas Puswald hätten wir nicht zurückgefunden“, schildert Jansel. „Die Sicht war extrem schlecht, sonst ist die Abfahrt überraschenderweise extrem gut gelaufen“, sagt Brenter. „Von Pulverschnee über Harsch und Eis war alles dabei.“

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Der einzige Professionelle unter den drei Abenteuern war Wolfgang Jast. Am 5. Mai 2011 gelang ihm im Alleingang die Erstbefahrung des Mont Blancs (4810 Meter) mit einem Snowbike. Mittlerweile wurde der Höhenrekord vom Großglockner mehrmals gebrochen.

Jansel wollte einen Bergfilm ohne spektakuläre Stunts produzieren. „Die Geschichte stand im Vordergrund. Es ging darum, Emotion und Spaß zu erleben und zu vermitteln. Wir wollten auch zeigen, dass ein Abenteuer nicht nur in Südamerika, Colorado oder Kanada stattfinden kann, sondern in unserer Heimat. Es handelt sich um eine echte Dokumentation, keine Szene wurde gestellt.“ Der Inhalt des Films thematisiere auch die Lebensphilosophie, wonach der Weg das Ziel sei, und am Ende jeden Weges beginne ein neuer. Die Dokumentation wurde diesen Herbst fertiggestellt. Sie soll beim Salzburger Bergfilmfestival 2012 präsentiert werden.

Ein Snowbike ist ein Mischung aus Mountainbike und Skibob. Die Fahrgeometrie gleicht einem Skibob, die Federungstechnik einem Mountainbike. Es wiegt etwa fünfeinhalb Kilo, ist rund zwei Meter lang und 40 Zentimeter breit. „Snowbiken ist noch eine absolute Nische in Österreich. Irgendwann wollen aber die ganzen Mountainbiker mal in den Schnee. Beim Snowbiken musst du ja nur Radfahren können“, weiß Brenter. Der Pioniergeist liegt dem sportlichen Salzburger in den Genen. Sein Großvater Engelbert Brenter erfand 1949 den Skibob und hielt die ursprünglichen Patente daran. (APA)


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