Tschechischer Schriftsteller Jiri Grusa gestorben

Der tschechische Schriftsteller, ehemalige Diplomat, Politiker und frühere Chef des internationalen PEN-Klubs, Jiri Grusa, ist im Alter von 72 Jahren gestorben. Das meldete das Tschechische Fernsehen am Freitag. Grusa war unter anderem auch tschechischer Botschafter in Österreich und Leiter der Diplomatischen Akademie in Wien.

Grusa sei am Freitag während einer Herz-Operation in einem Krankenhaus der deutschen Stadt Hannover gestorben, hieß es weiter. „Für das tschechische Zentrum des internationalen PEN-Klubs ist das ein harter Schlag und eine große Trauer. Wir hatten ihn wirklich sehr gern“, sagte der Chef des tschechischen PEN-Klubs, Jiri Dedecek.

Der im ostböhmischen Pardubice am 10. November 1938 geborene Grusa, der auch als Überssetzer und Dichter tätig war, studierte in den 60-er Jahren Philosophie und Geschichte an der Philosophischen Fakultät der Prager Karlsuniversität. Er war eine bedeutende Figur der tschechoslowakischen Dissidentenszene und Mitunterzeichner der Charta 77. In den Jahren 1969 und 1970 wurde er verfolgt wegen der Veröffentlichung von acht Kapiteln seines Romans Mimner in einer Zeitschrift.

1978 verbrachte er zwei Monate in Untersuchungshaft für die Samisdat-Herausgabe (Eigenverlag) seines Romans „Dotaznik“ (auf Deutsch „Fragenbogen“). 1981 wurde ihm während eines Aufenthalts in den USA die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft aberkannt. In die Heimat kehrte er erst 1990 zurück. Im Exil lebte er vor allem in der Bundesrepublik Deutschland.

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Nach der Rückkehr in die Tschechoslowakei war er tschechoslowakischer bzw. tschechischer Botschafter in Deutschland (1991-1997) und Österreich (1998-2004). In den Jahren 1997-1998 war er als Parteiloser Unterrichtsminister. 2003 wurde er zum Präsidenten des internationalen PEN-Klubs gewählt. 2005 bis 2009 übte er das Amt des Leiters der Diplomatischen Akademie in Wien aus.


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