Ausschreitungen nach angeblichem Foltertod in Ägypten

Eine zunächst friedliche Demonstration schlug am Freitag in Gewalt um, als der Sarg eines angeblich zu Tode gefolterten Häftlings auf den Platz gebracht wurde.

Kairo - Bei Protesten gegen den Tod eines jungen Häftlings in Ägypten ist es auf dem Kairoer Tahrir-Platz zu gewaltsamen Protesten gekommen. Eine zunächst friedliche Demonstration für eine rasche Übergabe der Macht an eine zivile Regierung schlug am Freitag in Gewalt um, als der Sarg des am Donnerstag angeblich zu Tode gefolterten Häftlings Essam Atta Ali auf den Platz gebracht wurde. Dutzende Demonstranten bewarfen die Sicherheitskräfte mit Steinen, bevor sie von anderen Demonstranten zurückgehalten werden konnten.

„Das Volk will die Hinrichtung des Marschalls“, rief die Menge mit Blick auf den Vorsitzenden des Obersten Militärrats, Hussein Tantawi, der seit dem Sturz des langjährigen Präsidenten Hosni Mubarak im Februar die Macht ausübt. „Sie haben erneut einen Mitbürger ermordet. Die Armee soll verschwinden“, rief ein Demonstrant. Die Organisation al-Nadem, die sich um Opfer von staatlicher Gewalt und Folter kümmert, hatte berichtete, Essam Atta Ali sei am Donnerstag nach brutaler Folter im Gefängnis gestorben.

Ihm seien Wasserschläuche in Mund und Anus eingeführt worden, weil er einen Telefonchip in seine Zelle geschmuggelt hatte, erklärte El Nadem. Demnach war er am 25. Februar von der Militärjustiz zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Die Direktorin von El Nadem, Aida Saif al-Daula, sagte, die Autopsie, an der sie teilgenommen habe, sei zu oberflächlich gewesen. Das Innenministerium erklärte dagegen, der Häftling sei nach der Einnahme eines „unbekannten Gifts“ auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben.

Mehr als 2400 Menschen haben sich bereits der Facebook-Seite „Wir sind alle Essam Atta, Märtyrer der Folter im Gefängnis“ angeschlossen. Erst vor zwei Tagen waren zwei Polizisten wegen ihrer Rolle bei der Ermordung von Khaled Said verurteilt worden, dessen Tod im Juni 2010 eine Schlüsselrolle bei der Mobilisierung gegen Mubarak gespielt hatte. Die Polizei hatte auch damals zunächst behauptet, der 28-Jährige habe bei seiner Festnahme ein Päckchen mit Drogen verschluckt, obwohl Fotos zeigten, dass er schwer misshandelt worden war. (APA/AFP)

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