Syrische Demonstranten rufen nach ausländischem Militär

Auf Syriens Straßen wird wegen des harten Vorgehens der Regierung gegen die Protestbewegung der Ruf nach einem NATO-Einsatz immer lauter.

Amman - Nach den Freitagsgebeten riskierten in Hama und Homs Demonstranten erneut ihr Leben und forderten die Hilfe des Westens, dessen Luftangriffe in Libyen eine entscheidende Rolle beim Sturz von Staatschef Muammar Gaddafi gespielt hatten. Regierungstruppen erschossen nach Angaben von Aktivisten mindestens 40 Demonstranten.

Allein in der Protesthochburg Homs seien bei der gewaltsamen Auflösung eines Protestmarschs von rund 20.000 Menschen 20 Zivilisten erschossen worden, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Eine Delegation der Arabischen Liga verurteilte die „anhaltende Tötung von Zivilisten“. Landesweit seien insgesamt 500 Menschen festgenommen worden.

Durch Gaddafis Tod ermutigt

Auch in anderen syrischen Städten hätten ähnliche Kundgebungen stattgefunden, berichteten Bewohner und Regierungsgegner. Die Demonstranten fühlten sich durch Gaddafis Tod ermutigt. Assad zeigt sich vom internationalen Druck unbeeindruckt: Einwohner berichteten, Hubschrauber hätten diese Woche mit Maschinengewehren und Raketen auf Wohnviertel in Homs gefeuert. Die Stadt Hama war in den 80er Jahren Schauplatz eines Massakers: Damals tötete das Militär dort Tausende Menschen.

Ein Komitee der Arabischen Liga verurteilte am Freitag die „anhaltende Tötung von Zivilisten“ und rief Präsident Bashar al-Assad auf, sich für ihren Schutz einzusetzen. Das Komitee hatte Assad am Mittwoch in Damaskus getroffen. Am Sonntag will es sich mit syrischen Vertretern in Katar treffen, um einen Ausweg aus der syrischen Krise zu suchen.

„Druck muss erhöht werden“

Ein Sprecher des deutschen Auswärtigen Amts in Berlin erklärte, die jüngste Gewalt in Syrien sei „bestürzend“ und „konterkariere“ die Bemühung der Arabischen Liga. „Der internationale politische Druck muss noch einmal signifikant erhöht werden, damit das syrische Regime endlich einlenkt.“ Darauf arbeite die deutsche Regierung in den Vereinten Nationen, in der EU und mit ihren Partnern in der Region mit Nachdruck hin.

Der oppositionelle Nationalrat hat internationalen Schutz verlangt, den Wunsch nach einer Militärintervention nach dem Vorbild Libyens jedoch nicht ausdrücklich ausgesprochen.

Flugverbotszone gefordert

Gegner der syrischen Regierung hatten auf ihrer Facebook-Seite für Freitag dazu aufgerufen, für die Einrichtung einer Flugverbotszone nach dem Vorbild von Libyen auf die Straße zu gehen. Das von der internationalen Gemeinschaft durchzusetzende Flugverbot solle der „Freien Armee Syriens“ erlauben, gegen die Sicherheitskräfte von Präsident Assad vorzugehen, hieß es. Die sogenannte Freie Armee Syriens ist eine bewaffnete Oppositionsgruppe, deren Bildung im Juli von desertierten Soldaten bekannt gegeben wurde.

Die Regierung in Damaskus geht seit sieben Monaten gegen die Revolte vor, macht aber bewaffnete Gruppen für die Gewalt verantwortlich.

Nach UN-Angaben wurden seit Beginn der Proteste Mitte März rund 3000 Menschen getötet, in ihrer großen Mehrheit Zivilisten. Weil die meisten ausländischen Journalisten ausgewiesen wurden, ist eine Überprüfung der Informationen nur schwer möglich. (APA/Reuters)


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