93-jährige Grazerin kämpft gegen Abschiebung von Nigerianer

Der 31-Jährige half, einen Überfall auf die Frau aufzuklären. Nun soll er abgeschoben werden.

(Symbolfoto)
© APA/HARALD SCHNEIDER

Graz - Eine 93 Jahre alte Grazerin ist im Juni überfallen und beraubt worden - ein Nigerianer beobachtete damals den Vorfall und half, den Täter dingfest zu machen. Nun will sich die Pensionistin für den Helfer einsetzen, der dieser Tage einen negativen Asylbescheid bekommen hat und von der Abschiebung bedroht ist. Beim ORF Steiermark, wo der Fall im Zuge der Aktion „Licht ins Dunkel“ aufgegriffen wurde, sind bereits eine Reihe von Solidaritätsbekundungen und Job-Angeboten für den 31-Jährigen eingegangen.

„Man redet ständig von Integration. Und da gibt es jemanden, der sich konkret für eine ältere Frau einsetzt, und den schiebt man ab“, fasst Rudolf Watzinger, Enkel der 93-Jährigen, das Motiv zusammen, das seine Großmutter bewogen hat, aktiv zu werden. Ein Brief an Landeshauptmann Franz Voves (S), in dem sie sich dafür verwendet, dass der 31-jährige Nigerianer in Österreich bleiben darf, ist unterwegs: „Das wäre ein großer Wunsch von mir, mein Weihnachtswunsch.“

Überfall im Juni hinterließ seelische Narben

Die Seniorin war Anfang Juni nahe ihrer Wohnung in Graz-Geidorf Opfer eines Raubüberfalls geworden: Ein Afrikaner, wie sich herausstellte, ebenfalls aus Nigeria stammend, entriss ihr den Korb mit Pension, Schlüssel, Fahrausweis und Brille. Die 93-Jährige kam zu Sturz, kam ins Krankenhaus und leidet heute noch vor allem psychisch an den Nachwirkungen der Attacke.

Der Fall wäre wohl nie geklärt worden, hätte nicht Enkel Rudolf Watzinger einen Verkäufer der Straßenzeitung „Megaphon“ befragt, der häufig in der Nähe des Tatorts seiner Arbeit nachgeht. Tatsächlich konnte sich der Mann namens Gabriel an einen davonlaufenden Afrikaner erinnern. Als er ihn wiedersah, verständigte er die Polizei - beim ersten Mal kam die Streife zu spät, aber beim zweiten Mal klappte es: Der mutmaßliche Täter, ein Nigerianer, der noch dazu in der Nachbarschaft des Zeugen wohnte, wurde verhaftet und im Herbst zu drei Jahren Haft verurteilt. Noch läuft das Revisionsverfahren.

Fall ist Landeshauptmann bekannt

Es gehöre viel Mut dazu, gegen einen Landsmann und Nachbarn auszusagen, meinte das Opfer beeindruckt. „Er war wirklich böse, und ich muss tun, was mit mein Herz sagt“, so Gabriel im ORF. Jetzt, wo der 31-Jährige selbst auf Hilfe angewiesen ist, zeigt die 93-Jährige entschlossen, gegen seine Abschiebung zu kämpfen. Wie es vom ORF Steiermark heißt, gab es bereits eine große Zahl an Solidaritätsbekundungen und auch einige Jobangebote für Gabriel.

Aus dem Büro von Landeshauptmann Franz Voves hieß es am Montag auf APA-Anfrage, der Brief sei zwar noch nicht eingelangt, der Fall sei aber aufgrund von Medienberichten bekannt und die zuständige Fachabteilung aufgefordert worden, alle relevanten Informationen zu übermitteln: „Erst nach Vorliegen dieser Unterlagen kann die Situation beurteilt und können allfällige rechtliche Möglichkeiten geprüft werden.“ (APA)


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