Ratingagenturen machen vor Euro-Finanzministertreffen Druck

Standard & Poor‘s senkt den Ausblick Frankreichs auf negativ, Moody‘s prüft die Abwertung von Banken – auch Österreich ist betroffen.

London/Wien – Vor einem Treffen der Euro-Finanzminister am Dienstag haben Ratingagenturen erneut Druck zum Handeln gemacht. Von Standard & Poor‘s hieß es in einem Bericht, die Agentur wolle den Ausblick für Frankreichs Spitzenbonität in den kommenden zehn Tagen auf negativ absenken. Moody‘s kündigte an, die Herabstufung des Ratings für nachrangige Darlehen („subordinated debt“) von Banken in 15 europäischen Staaten - darunter Österreich - zu prüfen, da die Finanzinstitute zu wenig Rückhalt von ihren Regierungen hätten.

Standard & Poor‘s habe schon vor einigen Tagen ankündigen wollen, dass sich Frankreichs Ausblick verschlechtere, hieß es. Die Ankündigung sei jedoch aus unbekannten Gründen verschoben worden, so die französische Zeitung „La Tribune“ am Dienstag auf ihrer Internetseite. Ein S&P-Sprecher in Melbourne wollte sich zu dem Bericht auf Anfrage nicht äußern. Der Euro tendierte als Reaktion kurzzeitig etwas schwächer. Die anderen großen Ratingagenturen - Fitch und Moody‘s - hatten Frankreich bereits gewarnt, dass es sein „AAA“-Rating im Sog der Schuldenkrise verlieren könne.

Von Moody‘s hieß es in einer Aussendung am Dienstag, die Finanzinstitute, deren Ratings in Gefahr seien, befänden sich in Spanien, Italien, Frankreich und Österreich. Insgesamt handle es sich um 87 Banken in 15 Staaten, darunter auch in der Schweiz und Norwegen. „Die Überprüfung ist durch die Einschätzung der Agentur ausgelöst worden, dass innerhalb von Europa die systemische Unterstützung für nachrangige Darlehen („subordinated debt“) sich nicht mehr ausreichend vorhersagen lässt oder nicht zuverlässig genug ist, um eine profunde Basis für ein höheres Rating durch Moody‘s zu sein.“ In Österreich sollen unter anderem die Bawag PSK, die Erste Group, Raiffeisen Bank International sowie die Bank Austria überprüft werden. In einem Bericht des „Wall Street Journals“ hieß es, dass EU-Regierungen - darunter Italien und Portugal - Druck auf Banken ausüben würden, Staatsanleihen nicht zu verkaufen, obwohl diese mit steigenden Risiken verbunden seien. Bei den Treffen der EU-Finanzminister am Mittwoch soll auch die Rekapitalisierung systemrelevanter Banken bis 2012 Thema sein.

Die Märkte in Asien reagierten verhalten auf das bevorstehende Treffen der EU-Finanzminister. Der Euro lag im fernöstlichen Handel bei 1,3286 Dollar, nachdem er am Vortag mehr als ein Prozent auf 1,3398 Dollar gestiegen war.

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(APA/Reuters/AFP/dpa)


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