Abschiebung sorgt für Wirbel in Imst - Sohn untergetaucht

Seine Familie ist bereits auf dem Weg zurück nach Armenien, aber der 18-jährige Narek H. tauchte unter. Die „Plattform Bleiberecht“ und der Präsident des Tiroler Judoverbandes kritisieren die Abschiebung scharf.

Imst – Montagfrüh lag Shushanik H. noch stationär in der Klinik Zams. Einige Stunden später fand sie sich, gemeinsam mit ihren Zwillingstöchtern und ihrem Mann Armen, in der Familienschubhaft Wien Simmering wieder. Direkt vom Krankenhaus hatte sie der Polizeibus abgeholt, am Dienstag hob bereits ihr Flieger Richtung Armenien ab.

Einzig der ebenfalls auf der Abschiebungsliste stehende 18-jährige Narek H. befindet sich noch in Österreich, wo genau weiß jedoch niemand. Der hochtalentierte Judoka ist untergetaucht. Martin Scherwitzl, Präsident des Tiroler Judoverbandes, kritisiert die Abschiebung: „Als Trainer von Narek sehe ich die Sache aus sportlicher und menschlicher Sicht. Er ist ein sehr fleißiger Sportler, der voll integriert ist.“

Sportlich höchst erfolgreich

Narek sei zudem sportlich höchst erfolgreich: „Er gewann heuer die Tiroler Meisterschaften. Narek hätte sportlich eine große Zukunft, wenn ihm diese ermöglicht werden würde“, so Scherwitzl. „Vielleicht könnte man in so einem Fall einmal Gnade vor Recht ergehen lassen. Die Gründe dafür wären mit etwas gutem Willen leicht sichtbar“, fügte der Verbandspräsident hinzu.

Der 18-Jährige war 2010 nach Österreich gekommen, die restliche Familie kam ein Jahr später nach. Die Angst davor, dass Narek zum Militärdienst eingezogen wird und die Krankheit der Mutter seien die Hauptgründe dafür gewesen, warum sie nicht mehr nach Armenien zurückkehren wollten.

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Das Innenministerium bestätigte am Dienstag, dass die Abschiebung der Eltern sowie der beiden Zwillingstöchter bereits durchgeführt worden ist. Dadurch, dass Narek bereits volljährig sei, habe sein Untertauchen die Abschiebung seiner Famlie nicht verhindert.

Heftige Kritik an dieser Praxis übte die Plattform Bleiberecht: „Dieser Apparat zerstört Existenzen und setzt die Regeln menschlicher Umgangsformen außer Kraft. Solange Abschiebungen still und heimlich stattfinden, ist es schwierig, diese zu erschweren oder zu verhindern.“ (TT.com, chris, kaz)

Mehr Informationen zu dem Fall in der Mittwochausgabe der Tiroler Tageszeitung.


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