Verdächtige von Metro-Anschlag in Weißrussland zum Tode verurteilt

Die Hinrichtung der beiden 25-Jährigen könnte bereits am Donnerstag erfolgen. Sie sollen durch einen Genickschuss sterben.

Minsk – In dem umstrittenen Prozess wegen des Bombenanschlags auf die Metro in Minsk im vergangenen April hat ein weißrussisches Gericht die beiden Angeklagten zum Tode verurteilt. Das Gericht sprach am Mittwoch die 25 Jahre alten Männer schuldig, am 11. April 15 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt zu haben. Das meldeten übereinstimmend die Staatsagentur Belta und die unabhängige Minsker Agentur Belapan. Die Hinrichtung der beiden 25-Jährigen könnte bereits am Donnerstag erfolgen.

Die autoritär geführte Ex-Sowjetrepublik vollstreckt als einziges Land in Europa trotz internationaler Kritik noch die Todesstrafe. Verurteilte werden durch Genickschuss hingerichtet.

„Extreme Gefahr für die Gesellschaft“

Richter Alexander Fedorzow folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Angeklagten bezeichnete er als „extreme Gefahr für die Gesellschaft“, weshalb er die Todesstrafe gegen sie verhängen müsse.

Dmitri Konowalow sei wegen „Terrorismus“ für schuldig befunden worden und Wladislaw Kowalew, weil er von den Planungen für den Anschlag gewusst habe, „die Behörden aber nicht darüber informierte“, sagte der Richter am Mittwoch. Er hatte die Angeklagten während der stundenlangen Verlesung des Urteils auch wegen früherer Anschläge schuldig gesprochen. Die Männer sollen auch für zwei Bombenanschläge in der Stadt Witebsk im Jahr 2005 und für eine Explosion in Minsk während der Feiern zum Unabhängigkeitstag im Jahr 2008 verantwortlich sein.

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Geständnisse sollen durch Folter erzwungen worden sein

Die Verteidigung hatte Freispruch aus Mangel an Beweisen beantragt. Menschenrechtler und die Mutter eines Angeklagten hatten den als „letzten Diktator Europas“ kritisierten Präsidenten Alexander Lukaschenko um Gnade gebeten.

Es handle sich um einen Schauprozess, bei dem durch Folter und Druck Geständnisse erzwungen worden seien, behauptete Ljubow Kowaljowa, die Mutter eines der beiden Verurteilten. Tausende Menschen hatten Petitionen gegen die Todesstrafe unterschrieben.

Konowalow hatte die Tat zu Beginn des Prozesses zugegeben. Kowalew hingegen widerrief seine Aussage mit der Begründung, er habe gehört, sein Freund sei bei Befragungen verprügelt worden.

In Weißrussland hält sich bei vielen die Meinung, dass der Geheimdienst KGB oder andere Kräfte im Machtapparat in das Blutbad verstrickt sein könnten. In Internetblogs hatten Bürger gemeint, dass die Führung nach dem Vorbild des Sowjetdiktators Josef Stalin mit blutigem Staatsterror von der schweren Krise im Land ablenken wolle.

Der Bahnhof liegt in der Nähe des Büros und der Residenz von Präsident Lukaschenko. Das Attentat war der schwerste Anschlag in Weißrussland seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1991. (APA/dpa/AFP)


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