Großbritannien zieht gesamtes Botschaftspersonal aus Teheran ab

Nach dem Sturm auf die britische Botschaft wird das Personal ausgeflogen. Premier David Cameron hatte zuvor „ernste Konsequenzen“ für den Iran angekündigt.

Teheran - Nach den Angriffen auf die britische Botschaft in Teheran ziehen sowohl der Iran als auch Großbritannien erste Konsequenzen: Nach Angaben der Polizei sind einige der Eindringlinge gefasst worden. Gleichzeitig machten sich Mitarbeiter der Botschaft auf den Heimweg nach Großbritannien, was seitens des Irans umgehend kritisiert wurde. Welche Konsequenzen London genau ziehen wird, will Premierminister David Cameron in den kommenden Tagen bekanntgeben. Die EU will indes über die Ausweitung von Sanktionen gegen den Iran beraten.

Iranischer Parlamentspräsident kritisiert Entscheidung

„Im Licht der Ereignisse von gestern und um die Sicherheit sicherzustellen, werden einige Mitarbeiter Teheran verlassen“, hieß es am Mittwoch vom britischen Außenministerium. Die Sicherheit der Angestellten und ihrer Familien habe Priorität. Um wie viele der Beschäftigten es sich handelt, wollte das Ministerium nicht sagen. Man äußere sich nicht zu Notfallplänen und werde „zu gegebener Zeit“ weitere Informationen herausgeben. Cameron hatte der iranischen Regierung schwere Vorwürfe gemacht, weil diese ihre Pflicht vernachlässigt habe, die Botschaft zu schützen.

Der iranische Parlamentspräsident Ali Larijani kritisierte die Entscheidung Londons. Die britische Regierung sollte die Aktion der Studenten nicht missbrauchen, um politisch daraus Kapital zu schlagen, forderte er.

Der stellvertretende iranische Polizeichef Ahmed-Reza Radan versicherte laut der Nachrichtenagentur IRNA, dass Maßnahmen getroffen worden seien, um alle an dem Angriff beteiligten Demonstranten festzunehmen.

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Zahlreiche Staaten erklärten sich mit Großbritannien solidarisch

Der UNO-Sicherheitsrat verurteilte den Angriff auf die britische Botschaft. Das Gremium rief die iranischen Behörden auf, diplomatische Einrichtungen und Mitarbeiter mit allen geeigneten Maßnahmen zu schützen. Zahlreiche Staaten erklärten sich mit Großbritannien solidarisch. Norwegen hält seine Botschaft in Teheran weiter geschlossen. Das diplomatische Personal sei aber noch nicht aus Teheran abgezogen werden, sagte Sprecherin Hilde Steinfeld. Die niederländische Partei für die Freiheit (PVV) des Islamgegners Geert Wilders, die der gelb-schwarzen Haager Regierung eine knappe Mehrheit sichert, forderte unterdessen den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zum Iran.

Deutschland forderte den Iran nachdrücklich zum Schutz ausländischer Einrichtungen auf und verurteile den Angriff auf die diplomatische Vertretung und auf weitere ausländische Einrichtungen „auf das Schärfste“. Das teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit, nachdem der iranische Botschafter in Deutschland in das Ministerium einberufen wurde.

EU-Außenminister wollen über Ausweitung der Sanktionen sprechen

Unter anderem wegen des Sturms auf die britische Botschaft wollen die EU-Außenminister am Donnerstag über eine Ausweitung der Sanktionen gegen Iran beraten. Hauptsorge sei zwar das iranische Atomprogramm, jedoch habe auch die Attacke auf die diplomatische Vertretung Auswirkungen auf die Entscheidung, hieß es aus EU-Ratskreisen in Brüssel. Gleichzeitig wurde darauf verwiesen, dass es zwar eine Einigung unter den EU-Ländern über eine Verstärkung der Sanktionen gehe, doch sei die Art der Umsetzung fraglich. Bei Maßnahmen gegen Ölimporte gelte es zu berücksichtigen, dass viele EU-Länder Öl aus dem Iran beziehen.

Das iranische Außenministerium distanzierte sich von dem Zwischenfall. Es verurteilte die Erstürmung und bezeichnete sie als eine spontane Aktion demonstrierender Studenten, die nicht von der Regierung genehmigt worden sei.

Die Studenten hatten die Botschaft gestürmt und etwa zwei Stunden lang besetzt. Auch eine Wohnanlage britischer Diplomaten wurde angegriffen. Auf Fernsehaufnahmen war zu sehen, wie die Iraner Brandsätze warfen, die britische Flagge verbrannten und Scheiben zerstörte. Sicherheitskräfte hätten sechs Mitarbeiter der Botschaft befreit, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Fars. Die rund 200 Botschaftsbesetzer seien schließlich mit Tränengas vertrieben worden. Die Proteste richteten sich gegen die jüngste Verschärfung britischer Sanktionen wegen des iranischen Atomprogramms.(APA/dpa/AFP/Reuters/sda)


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