Ermittler prüfen Schweizer Spuren des deutschen Neonazi-Terrortrios

Die drei Neonazi-Terroristen sollen om einem Auto mit Schweizer Kennzeichen im Urlaub unterwegs gewesen sein. In Berlin gab es eine Razzia gegen die rechtextreme Musikszene.

Erfurt/Berlin – Ermittler prüfen nach einem Fernsehbericht eine weitere Spur der drei deutschen Neonazi-Terroristen in die Schweiz. Sie seien bei einem ihrer Urlaube auf der deutschen Ostseeinsel Fehmarn in einem Auto mit Schweizer Kennzeichen gesehen worden, berichtete der MDR Thüringen unter Berufung auf Ermittlerkreise. Urlaubsbekanntschaften der drei aus mehreren Fehmarn-Urlauben seit 2005 würden nun vernommen.

Bereits früher hatten Ermittler in der Mordserie die Spur einer der Tatwaffen, einer Ceska, in die Schweiz zurückverfolgen können. Hinweise auf Täter hatten die Ermittlungen nach bisherigen Erkenntnissen aber nicht gebracht. Der MDR (Mitteldeutsche Rundfunk) zitiert einen Sprecher der Schweizer Bundespolizei, wonach es einen Informationsaustausch auf polizeilicher Ebene gebe.

Die bei der Mordserie verwendete Waffe stammt nach früheren Angaben des Schweizer Bundesamts für Polizei aus einer nur 24 Stück umfassenden Speziallieferung des tschechischen Herstellers. Sie seien nur in den Kanton Solothurn geliefert worden. Ermittler des deutschen Bundeskriminalamtes hätten vor etwa eineinhalb Jahren die Schweizer Behörden um Hilfe gebeten. Die landesweite Suche habe aber keine verwertbaren Ergebnisse gebracht.

Nach MDR-Recherchen waren bei Neonazi-Treffs in Thüringen immer wieder auch Autos mit Schweizer Kennzeichen gesehen worden. Redner der rechtsextremen „Partei National Orientierter Schweizer“ traten demnach auch 2008 und 2009 bei internationalen Treffen in Altenburg und Pößneck auf, die der jetzt verhaftete Ex-NPD-Funktionär Ralf Wohlleben mitorganisiert habe.

Die Polizei in Berlin ist unterdessen mit einer Razzia gegen die rechtsextreme Musikszene vorgegangen. Bei den gegen zwei Männer und eine Frau gerichteten Durchsuchungen seien am Dienstag umfangreiche Beweismittel wie Computer, Datenträger sowie mehrere tausend versandfertige CDs beschlagnahmt worden, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Auch ein Luftdruckgewehr ohne Zulassungszeichen sei beschlagnahmt worden.

An der Razzia im Zusammenhang mit einem Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Volksverhetzung und der Verbreitung von Propagandamitteln beteiligten sich den Angaben zufolge rund 120 Polizisten, darunter auch Spezialeinsatzkräfte des Landeskriminalamts. Es seien drei Wohnungen, Gewerberäume und Kellerräume in Berlin sowie zwei Wohnungen, ein Grundstück und eine Garage in Velten durchsucht worden. Bei den Verdächtigen handle es sich um zwei Männer im Alter von 23 und 43 Jahren sowie um eine 38 Jahre alte Frau. (APA/dpa/AFP)


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