Bundespräsident Fischer von Queen Elizabeth empfangen

35 Minuten unterhielten sich die beiden Staatsoberhäupter im Buckingham Palast. Das Gespräch habe viele Themen umfasst, sagte Fischer.

London – Bundespräsident Heinz Fischer ist am Mittwoch in London von Königin Elizabeth II. empfangen worden. Die Begegnung im Buckingham-Palast bildete den Höhepunkt eines zweitägigen Großbritannien-Besuchs des Bundespräsidenten. Das Gespräch, dem auch Fischers Ehefrau Margit beiwohnte, fand in den Privaträumlichkeiten der Monarchin statt - Delegationskreise sprachen von einer „besonderen Ehre“.

Der Bundespräsident bezeichnete die etwa 35-minütige Unterredung im Anschluss als „sehr lebhaftes, intensives Gespräch“. Die Monarchin sei über Österreich „sehr gut gebrieft und informiert“ gewesen und habe sich noch an ihren Besuch im Land im Jahr 1969 erinnert.

Einladung an die Queen

Fischer sprach auch eine Einladung an die Königin aus: Er habe sich erlaubt zu sagen, „dass sie schon seit den 60er Jahren nicht in Österreich war und dass ich mich freuen würde, wenn sie eine Einladung nach Österreich annehmen würde - zu einem Termin, den man besprechen muss“. Die Queen habe sich bedankt und gesagt: „I will consider it.“

Zum möglichen Zeitpunkt für einen derartigen Besuch sagte Fischer, eine Visite nächstes Jahr - in dem die Monarchin ihr 60-jähriges Thronjubiläum feiern wird - wäre zu kurzfristig. „2012 scheidet aus - welches Jahr dann infrage kommt, muss man besprechen.“

Europa, China und Nahost waren Gesprächsthemen

Weitere Themen des Gesprächs seien Europa, China und Nahost gewesen, sagte Fischer. So habe sich die Queen für den Besuch des chinesischen Staatspräsidenten Hu Jintao in Österreich interessiert. Er habe ihr auch von seinem Treffen mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas erzählt. Elizabeth II. sei an der Lage in Nahost interessiert und habe sogar gewusst, „dass es verletzte österreichische Soldaten gegeben hat bei Zusammenstößen an der syrisch-israelischen Grenze am Golan“. Die Monarchin bezog sich dabei auf Vorfälle am 15. Mai dieses Jahres, bei denen es zu leichteren Blessuren gekommen war. Fischer erwähnte in diesem Zusammenhang auch die vor wenigen Tagen im Nordkosovo verletzten österreichischen Soldaten.

Auch über Europa sei gesprochen worden. Dieses Thema werde „sehr intensiv in Großbritannien diskutiert“, sagte Fischer. Die Queen habe sich etwa zu den Wirtschaftsdaten in Österreich erkundigt.

Erst das dritte österreichische Staatsoberhaupt bei der Queen

Der Autokonvoi des Bundespräsidenten war zu Mittag durch das zentrale Tor des Buckingham Palace gefahren, das nur für Staatsoberhäupter geöffnet wird. Im Vorhof hatte eine Ehrengarde Aufstellung genommen. Danach passierte der Konvoi den sogenannten Garden Entrance, bevor es zu den privaten Räumlichkeiten der Queen ging. Die Unterredung begann kurz nach 12.00 Uhr Ortszeit (13.00 MEZ). Gastgeschenke waren keine vereinbart.

Fischer war erst das dritte österreichische Staatsoberhaupt, das von Elizabeth II. empfangen wurde. 1966 war der damalige Bundespräsident Franz Jonas im Palast zu Gast gewesen. Drei Jahre später erwiderte die Queen den Staatsbesuch - ihre bis dato einzige derartige Visite in Österreich. Im Februar 1995 wurde dann Bundespräsident Thomas Klestil im Rahmen eines offiziellen Besuchs in Großbritannien von der Monarchin empfangen.

Besuch im Freud-Museum

Bereits am Mittwochvormittag war Bundespräsident Fischer im Parlament mit dem Unterhausvorsitzenden John Bercow zusammengetroffen. In der Früh hatte Fischer mit der ehemaligen „Madam Speaker“ Betty Boothroyd, der ersten Frau, die 1992 zur Vorsitzenden des „House of Commons“ gewählt wurde, ein Gespräch geführt.

Für den Mittwochnachmittag stand ein Besuch im Londoner Freud-Museum auf dem Programm. Am Abend sollte der Bundespräsident - trotz der Streiks in Großbritannien - plangemäß nach Wien zurückkehren. (APA)


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