Ärztekammer fordert umfassende Kassenarzt-Reform

Um die Versorgungssicherheit auch in Zukunft gewährleisten zu können, fordert die Ärztekammer, die Stelle eines Kassenarztes umfassend zu modernisieren. Ein entsprechendes Maßnahmenpaket wurde heute präsentiert.

Symbolfoto.
© Keystone

Innsbruck – Praktische Ärzte gibt es in Tirol genug, einen Kassenvertrag haben mittlerweile aber die wenigsten. Waren es bis vor kurzem nur wenige Kassenstellen in entlegenen Talschaften, die nur schwer nachzubesetzen waren, so blieben bei den letzten Ausschreibungen laut Ärztekammer auch attraktive Facharztstellen und Stellen für Allgemeinmediziner in Zentralorten – auch in Innsbruck – ohne Bewerber. Der Grund dafür liegt für Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger, auf der Hand: Unattraktive Rahmenbedingungen schrecken die Ärzte davon ab, sich um eine Kassenstelle zu bewerben.

Generationenwechsel steht bevor

Der große Generationenwechsel steht aber erst noch bevor: Derzeit sind 70 Prozent aller Ärztinnen und Ärzte mit Kassenverträgen über 50 Jahre alt und werden damit in den nächsten 15 Jahren pensioniert. Allgemeinmediziner sind von dem Wechsel noch stärker betroffen als Fachärzte, bei denen aber auch bereits 66 Prozent über 50 Jahre alt sind.

Um die Versorgungssicherheit auch in Zukunft noch gewährleisten zu können, hat die Kammer am Mittwoch ein Maßnahmenpaket präsentiert, das die Kassenstellen wieder attraktiver machen soll.

Anpassung des Leistungskatalogs

Um den Anforderungen an eine moderne Medizin in Tirol weiterhin gerecht zu werden, ist laut Ärztekammer die Einführungen neuer Leistungen unabingbar. Ein Versorgungsmangel besteht laut Momen Radi, Sprecher der Niedergelassenen in der Ärztekammer, nämlich vor allem dadurch, dass viele zeitgemäße Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie derzeit vom Leistungsangebot der Sozialversicherungen nicht erfasst werden. So gebe es in Tirol zum Beispiel keine Kassenstellen und damit auch keine Kassenärzte für Onkologie, Kardiologie, physikalische Medizin oder auch Kinder- und Jugendpsychologie, kritisiert Radi.

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Anpassung der zulässigen Arbeitszeit

Ein weiteres Problem sieht die Kammer darin, dass Kassenärzte derzeit nur 20-Stunden-Verträge angeboten bekommen und für jede Stunde, die sie darüber hinaus arbeiten, mit Honorarkürzungen bestraft werden. Die zulässige Arbeitszeit müsse daher ausgedehnt werden.

Flexiblere Formen der Zusammenarbeit

Die dritte zentrale Forderung der Ärztekammer ist jene nach einer Verbesserung der Zusammenarbeitsformen. Die Ärzte sollen selbst entscheiden können, ob sie eine Einzel- oder Gemeinschaftspraxis bevorzugen oder sich beispielsweise eine Kassenstelle teilen. Die zwei verpflichtenden Wochenenddienste, die Kassenverträge zusätzlich zum Ladenhüter machen würden, wären dadurch nicht mehr nötig, erläutert die Kammer die Vorteile.

Laut Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungen konnten die Krankenkassen ihr gesetztes Einsparungsziel im Jahr 2011 um 200 Millionen Euro übertreffen. Die Ärztekammer sieht in diesen Einsparungen für Tirol freie Reserven. Erspartes zu horten, könne nämlich nicht Ziel der Kasse sein. Sie müsse dafür sorgen, den Kassenvertrag an die heutigen Verhältnisse anzupassen. „Es ist höchste Zeit, dass das falsch verstandene Sparen um jeden Preis ein Ende findet und die niedergelassenen Versorgungsstrukturen wie auch deren Leistungsangebot zukunftstauglich gemacht werden“, betont Kammerpräsident Wechselberger. (ema)

Reaktionen auf das Maßnahmenpaket lesen Sie in der Donnerstagausgabe der Tiroler Tageszeitung.


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