ÖVAG muss Kapitalnot beseitigen und abbauen

In der krisengeschüttelten Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) musste der Vorstand den Eigentümern am Mittwoch den aufgelaufenen Mega-Verlust erklären.

Wien - In der krisengeschüttelten Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) musste der Vorstand den Eigentümern am Mittwoch den aufgelaufenen Mega-Verlust erklären. Bis September waren es 689 Mio. Konzernverlust, bis Jahresende werden es mehr als 800 Millionen im Konzern und 1,2 Mrd. Euro als Bank-AG sein. Beschlüsse, wie der Verlust abgebaut und vor allem auch wie im Detail die nach internationalen Vorgaben klaffende Kapitallücke geschlossen wird, fielen heute nicht. Den aktuellen Kapitalbedarf auf die „EBA-Zielquote“ von 9 Prozent bis Juni 2012 bezifferte die Bank nach der Sitzung noch nicht. Zum Halbjahr waren es 972 Mio. Euro. Die Bank muss im hohem Maß redimensionieren und vor allem Risiko abbauen. Wie es damit weiter geht, wurde nach den Sondersitzungen heute nicht weiter kommuniziert.

In der heutigen außerordentlichen Aktionärsversammlung wurden tagesordnungsgemäß alte Konzernumbaubeschlüsse zurück genommen. Zur neuen Struktur gab es heute keine Beschlüsse. „In der davor abgehaltenen Aufsichtsratssitzung wurden mögliche Strukturmaßnahmen zur internen Neuorganisation vorgestellt“, schrieb die Bank in einem kurz gehaltenen Kommunique. „Diesbezügliche Beschlüsse sollen nach Detaillierung der Planungen bei einer der nächsten Sitzungen eingebracht und gefasst werden.“

Weitere Sitzungen werden heuer möglicherweise noch statt finden, hieß es auf Anfrage. Ob es da entscheidungsreife Beschlüsse geben wird, wurde nicht gesagt.

Ob heute eine „Abbaubank“ ein Thema war, in die zahlreiche Geschäfte abgespalten würden? „Heute wurden Pläne diskutiert, wie wir uns künftig aufstellen“, so der Sprecher zur APA. Beschlüsse zur Struktur gebe es in den nächsten Sitzungen. Fest stehe ja, dass sich die ÖVAG aus Geschäften zurück ziehe, die nicht Kerngeschäft seien, und sich in Zukunft auf die Spitzeninstitutsfunktion konzentrieren werde.

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Nächster Aufsichtsrat 15. Dezember

Die ÖVAG steht bei ihren Restrukturierungen unter genauer Beobachtung der Aufseher und der Notenbank. Weil der Staat eine Milliarde Euro Partizipationskapital (PS-Kapital) in der Bank stecken hat, laufen auch entsprechende Kontakte mit dem Finanzministerium. Fix verkauft wird die Ostbankentochter VBI (Volksbank International, ausgenommen Rumänien), Käufer ist die russische Sberbank.

Laut offizieller ÖVAG-Aussendung wurde in der außerordentlichen Hauptversammlung den Eigentümern heute „die aktuelle Situation dargestellt und über den Status Quo der Redimensionierungsmaßnahmen berichtet“.

An Formalbeschlüssen gab es in den Sonder-HVs von ÖVAG und Investkredit im wesentlichen die Rücknahme der im Mai gefassten Beschlüsse zur Abspaltung des ÖVAG-Bankbetriebs in die Investkredit. Diese Lösung musste im Frühherbst wegen der immer schlechteren Marktlage für Banken begraben werden.

Nachdem am heutigen Mittwoch noch keine verbindlichen Beschlüsse zum drastischen Schrumpfkurs der ÖVAG gefallen sind, wird dies für die nächsten Sitzungen erwartet. Das nächste Mal tritt der Aufsichtsrat am 15. Dezember zusammen, wie es gegenüber der APA hieß. Danach wird es nähere Informationen an die Belegschaft geben. Dem Abbau könnte die Hälfte der Jobs in der ÖVAG zum Opfer fallen, war bisher aus der Bank zu hören.

Laut „Kurier“ werden die gesamte Immobilienfinanzierung und -entwicklung der Volksbank Real Estate, die Volksbank Leasing International und das Großfinanzierungsgeschäft gestoppt und wenn möglich verkauft oder langsam gegen Null gefahren. Neue Finanzierungen würden seit Monaten nicht mehr vergeben. Bestehende Großkunden versuche die ÖVAG auf andere Banken umzuschulden. (APA)


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