Euro-Krise trifft Chinas Achillesferse: Industrie schrumpft

Zum ersten Mal seit drei Jahren schrumpft in China die Industrieproduktion. Auch die Exporte sind so wenig gewachsen wie seit langem nicht mehr.

Peking - In China schrumpft zum ersten Mal seit drei Jahren die Industrieproduktion. Der offizielle Einkaufsmanager-Index (PMI) sei im November auf 49 Punkte gesunken, meldete am Donnerstag die Nachrichtenagentur Xinhua. Damit sei der wichtige Vorlaufindikator, der vom Chinesischen Logistik- und Einkaufsverband CFLP erstellt wird, „zum ersten Mal seit Februar 2009 geschrumpft“.

Sinkende Wachstumsrate

Dieser Hinweis auf eine Abschwächung der chinesischen Inlandsnachfrage dürfte die Sorge um die Lage der Weltwirtschaft weiter verschärfen. Vor dem Hintergrund der Krise in der Eurozone sind die Auftragsbücher der chinesischen Exporteuren deutlich dünner geworden. Im Oktober hatte der PMI noch bei 50,4 Prozentpunkten gelegen. Mit seinem Rückgang um 1,4 Prozentpunkte zum November liegt er nun erstmals wieder unter dem Expansionswert von 50 Punkten und bestätigt damit andere Hinweise auf eine Abkühlung der chinesischen Konjunktur.

Chinas Wirtschaft „wendet sich von Expansion zu Kontraktion“, kommentiert der Analyst Zhang Liqun den gesunkenen PMI-Wert auf der Webseite des CFLP. Die Wachstumsrate der chinesischen Wirtschaft werde „künftig weiter sinken“.

Am Mittwoch hatte Chinas Notenbank erstmals seit fast drei Jahren die Mindestreserve-Anforderungen für die Geschäftsbanken des Landes gesenkt, von 21,5 auf 21 Prozent. Dies war ein Hinweis darauf, dass sich die kommunistische Parteiführung in Peking erstmals wieder mehr um das heimische Wirtschaftswachstum sorgt als um die Kontrolle der Inflation.

Der Schritt der chinesischen Notenbank zur Konjunkturankurbelung wurde am Mittwoch an den Börsen als positive Botschaft gefeiert. Konkret senkte die Zentralbank in Peking die Anforderungen an die chinesischen Banken für die Mindestreserve per 5. Dezember. Bei einem geringeren Reservesatz müssen die Kreditinstitute weniger Geld bei der Zentralbank hinterlegen und haben deshalb mehr Spielraum für die Kreditvergabe.

Mindestreserve-Anforderung

Erstmals seit drei Jahren wurde die Mindestreserve-Anforderung für die chinesischen Institute gesenkt, und zwar um 0,5 Prozentpunkte. „Nach dieser aktuellen Anpassung wird der Mindestreserve-Anteil für die größeren Finanzinstitute unseres Landes bei 21 Prozent liegen“, schrieb die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Für kleinere und mittlere Banken und Finanzinstitute werde er bei 17,5 Prozent liegen, hieß es weiter.

Dieser Schritt sei „in dieser Situation instabiler externer Nachfrage, einer Abkühlung der heimischen Wirtschaft und gesunkenen Inflationsdrucks ein Signal für stetiges Wachstum“, zitierte Xinhua den Ökonomen Zhuang Jian von der Asian Development Bank.

Zuletzt hatte sich die chinesische Konjunktur deutlich abgekühlt - dazu hatten eine straffe Geldpolitik und eine von der Regierung gesteuerte Abkühlung des Immobilienmarktes beigetragen. So war Chinas Wachstumsrate im dritten Quartal auf 9,1 Prozent gesunken, von 9,5 Prozent im zweiten und 9,7 Prozent im ersten Quartal. Auch die Inflation war deutlich gefallen, nachdem sie noch im Juli auf ein Dreijahreshoch geklettert war. Für Oktober hat die nationale Statistikbehörde in Peking eine auf 5,5 Prozent gesunkene Inflationsrate errechnet - eine deutliche Abschwächung verglichen mit 6,5 Prozent im Juli.

Zudem gibt es erste Anzeichen dafür, dass die Schulenkrise der Eurozone die chinesischen Exporte nach Europa belastet. Chinas Exporte waren im Oktober im Jahresvergleich so wenig gewachsen wie seit langem nicht mehr. China hatte die Mindestreserve-Anforderung für seine Banken zuletzt im Dezember 2008 gesenkt, so Xinhua. Seit Jänner 2010 war die Quote dann insgesamt zwölfmal heraufgesetzt worden. (APA/dpa)


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