Korruption: Index attestiert Österreich „beständiges Absinken“

Im Gesamtvergleich liegt Österreich auf Platz 16, im Vergleich mit hoch entwickelten Industriestaaten auf Rang 14.

Wien – Österreich wird im Langzeitvergleich zunehmend als korruptes Land wahrgenommen, dies geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten „Korruptionswahrnehmungsindex“ (CPI) von Transparency International (TI) hervor. Mit 7,8 Punkten rangiert das Land derzeit im internationalen Vergleich auf Rang 16 - was ja noch nicht so schlecht klingt, wie auch die Organisation einräumt. Verglichen mit auch demokratisch hoch entwickelten Industriestaaten aber sei Österreich heuer „nur mehr im eher schlechten Mittelfeld“ platziert, heißt es. TI attestiert Österreich daher ein „beständiges leichtes Absinken“.

Der Index bezieht sich auf eine Punkteskala von null (Wahrnehmung umfassender Korruption) und zehn (völlige Korruptionsfreiheit) und misst die Einschätzung der Verbreitung von Korruption im gesamten staatlichen Sektor durch Unternehmensberatungsagenturen und das Management international tätiger Unternehmen.

In dieser Erhebung hat Österreich in den vergangenen sechs Jahren an Boden verloren: Von Rang zehn 2005 auf Rang 16 im heuerigen Jahr. Der Punktewert sank von 8,7 auf 7,8, wobei TI darauf hinweist, dass die Punktewerte aufgrund methodischer Änderungen nur eingeschränkt vergleichbar seinen, dies aber keine Auswirkungen auf die Position im internationalen Vergleich habe.

Deutlich ist der Trend laut TI auch, wenn man Österreichs Platz in Bezug zu den Werten entwickelter Industriestaaten bzw. von Ländern mit langjähriger demokratischer und rechtsstaatlicher Tradition (insgesamt 23, darunter die EU-15, Nordamerika und Japan) setzt. Dies ist nach Ansicht der Korruptionsbeobachter auch die einzige „tatsächlich vergleichbare Staatengruppe“. 2005 lag Österreich hier auf Platz neun - hinter den skandinavischen Staaten, Neuseeland, der Schweiz und Australien. Heuer ist es gemeinsam mit Großbritannien Rang 14 geworden. Österreich liege „damit aktuell nur mehr im eher schlechten Mittelfeld“, so die Organisation.

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Die Organisation rechnet damit, dass sich das „schleichende Absinken Österreichs“ fortsetzen wird, wenn die Politik nicht „unverzüglich“ und „energisch“ gegensteuert. Der Abwärtstrend im Wahrnehmungsindex hat allerdings auch damit zu tun, dass seit 2006 Korruptionsaffären hierzulande „mit zunehmender Intensität“ diskutiert würden, hält TI fest.

Daher sei die Platzierung „nicht notwendigerweise Ergebnis einer tatsächlichen Zunahme von Korruption im öffentlichen Sektor“, wird betont. Und: Die meisten aktuell im Rampenlicht stehenden Korruptionsfälle lägen ja schon länger zurück, doch frühere eher „verdeckte“ Korruptionsprobleme würden mittlerweile auch „international verstärkt wahrgenommen“. (APA)


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