Altbischof Stecher: Ohne Frauen keine Kirche

Altbischof Reinhold Stecher begeisterte die zahlreichen Zuhörer der Reihe „Zeitzeugengespräch“. Auch bei den heißen Eisen blieb er keine Antwort schuldig.

Von Michael Sprenger

Wien – Seit knapp 14 Jahren ist der frühere Innsbrucker Diözesanbischof Reinhold Stecher „im Ruhestand“, wie er selbst sagte. Und er wolle deshalb nicht in die Rolle des Alten in der Loge schlüpfen, um sich zum Zustand der katholischen Kirche zu äußern. Auch wenn er zurückhaltend in seinen Antworten war, war viel zu hören. Am Mittwochabend, im dicht gefüllten Saal des Innsbrucker Casinos. Als ihn Elmar Oberhauser danach fragte, was denn falsch läuft in der Kirche, wollte er sich nicht verschweigen. Zuerst bleib er in seiner Beurteilung allgemein. Er erkennt im Augenblick eine anhaltende Gegenbewegung zu den Errungenschaften des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Doch Stecher ist keiner, der sich bei Allgemeinplätzen aufhält, deshalb wurde er nach einer kurzen Zusatzfrage auch konkret. Konnte er auch, weil er diese Konkretheit auch als aktiver Bischof an den Tag legte, als er zur kirchengesetzlichen Ehelosigkeit des Klerus befragt wurde. „Ich werde nichts widerrufen“, meinte dann auch Reinhold Stecher und bekam Zwischenapplaus, als er sich für das Priesteramt für bewährte verheiratete Männer aussprach. Auch Jesus hatte unter seinen Aposteln Verheiratete, wusste Stecher. „Das sagte ich auch immer meinen Kritikern. Petrus hatte eine Schwiegermuter. Und es ist eben in der Regel so, dass sich ein Mann keine Schwiegermutter zulegt, ohne verheiratet zu sein.“ Jetzt hatte er – nicht zum ersten Mal an diesem Abend – die Lacher auf seiner Seite.

Der Altbischof zeigt dann auch seine Sympathien für die Forderungen der Pfarrerinitiative. Er nannte sie ein „breit gestreutes, flächendeckendes Anliegen“. Sie einfach wegzuwischen, würde einer „Realitätsverweigerung“ gleichkommen. Und dass die Pfarrer in ihrer Initiative von „Ungehorsam“ sprechen, kann er verstehen, weil die „leisen Töne“ in der Kirche keine Beachtung finden.

Zurückhaltender war der Altbischof bei Fragen zur Zulassung von Frauen zum Priesteramt. Seiner Meinung nach handle es sich um eine „grundsätzliche Frage“, die die Weltkirche entscheiden müsse. Doch er weiß, dass ohne die Arbeit der Frauen „die Kirche zusperren müsste“. Er sei deshalb für eine Politik der kleinen Schritte. Der erste wäre eben das Priesteramt für verheiratete Männer.

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Bischof Stecher (er feiert am 22. Dezember seinen 90. Geburtstag) schilderte den Zuhörern, dass er nie Bischof werden wollte. „Ich hatte Angst, keine Freude.“ Trotzdem wurde er ein Volksbischof, ein weit über die Grenze hinaus bekannter und höchst populärer Bischof. Eine Erklärung dafür hatte er nicht, aber er bekam zu seiner Primiz einen guten Rat, an den er sich immer hielt: „Mach beim Weihrauch keinen Brustzug, das verdirbt bloß den Charakter.“ (TT)


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