Heiliger Nikolaus in der Identitätskrise

Der heilige Nikolaus hat es nicht leicht: Von manchen wird er mit dem Weihnachtsmann verwechselt.

Wien - Am 6. Dezember und in der Nacht zuvor eilt nach alter Überlieferung der Nikolaus von Haustür zu Haustür und macht Millionen Kinder mit kleinen Geschenken glücklich. Mit seinem roten Mantel und dem weißen Rauschebart sieht er dem Weihnachtsmann zum Verwechseln ähnlich. Und nicht nur bei Kindern ist inzwischen die Verwirrung groß: Handelt es sich um ein und dieselbe Figur, die zwei Mal kommt? Erst am Nikolaustag, dem 6. Dezember, und dann noch mal an Heiligabend?

Ursprünglich war Sankt Nikolaus für das Schenken zuständig. Erst nach der Reformation, die mit der Heiligenverehrung in der katholischen Kirche nichts anfangen konnte, entstand der Weihnachtsmann. Aus Europa gelangte die Nikolaus-Legende in die USA, wo sie sich verselbstständigte. Mit einer Werbekampagne der Limonadenmarke Coca-Cola schaffte der Weihnachtsmann mit roter Zipfelmütze anstelle des hohen Bischofshuts dann seinen endgültigen Durchbruch: Seit 1931 fliegt der rot-weiße Rauschebart-Opa mit seinem Rentier-Gespann in der Werbung umher. Diese Figur ist inzwischen so weit verbreitet, dass auch in Österreich kaum noch Schoko-Nikoläuse mit einer Bischofs-Mitra zu finden sind.

Dabei reichen die Nikolaus-Legenden der Kirche bis ins 4. Jahrhundert zurück. Die Forschung hat allerdings herausgefunden, dass es die hoch verehrte Figur des Heiligen Nikolaus so nicht gegeben hat. Vielmehr wurde sie aus zwei historischen Personen zusammengesetzt: Dem tatsächlichen Bischof Nikolaus von Myra in Kleinasien in der heutigen Türkei, der wahrscheinlich im 4. Jahrhundert lebte und sein Vermögen an die Armen verteilt haben soll und dem gleichnamigen Abt von Sion, der Bischof von Pinora war und am 10. Dezember 564 ebenfalls in Kleinasien starb. (dapd/APA/dpa)

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