Aids-Konferenz ICASA in Äthiopien hat begonnen

Afrika ist und bleibt der Schwerpunkt der Aids-Epidemie. Ab Sonntag treffen sich mehr als 5000 Experten in Addis Abeba zu einer großen Konferenz zu diesem Thema.

Addis Abeba - Fast 30 Jahre nach der Entdeckung der HI-Viren sind die Wörter Aids und Afrika noch immer untrennbar miteinander verbunden. Rund 68 Prozent der weltweit 34 Millionen Infizierten und Erkrankten leben auf dem Schwarzen Kontinent südlich der Sahara. Allein in Südafrika sind geschätzte 5,6 Millionen Menschen HIV-positiv - mehr als in jedem anderen Land der Erde.

Um die Afrika-spezifischen Themen der Krankheit zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen, wurde vor 25 Jahren erstmals eine „Internationale Konferenz zu Aids und sexuell übertragbaren Krankheiten in Afrika“ (ICASA) organisiert. Die 16. Ausgabe des Expertentreffens startet am kommenden Sonntag in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba.

Die fünftägige Konferenz kommt zu einem denkbar günstigen Zeitpunkt: Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GF) in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Grund ist vor allem die internationale Finanzkrise, durch die immer mehr Geberländer ihre Zahlungen zurückschrauben oder gar einstellen.

Experten befürchten bereits, dass lebenswichtige Programme vor allem in Afrika wegen der nun beschlossenen Streichung der nächsten Projektfinanzierungsrunde eingestellt werden müssen. Die mehr als 5000 Delegierten haben also einiges zu besprechen.

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Eine Gruppe südafrikanischer Hilfsorganisationen unter Führung von „Ärzte ohne Grenzen“ bezeichnete die Situation des GF zuletzt als „Schock“. Dies könne die im vergangenen Jahrzehnt gemachten Fortschritte zunichtemachen. „Es ist kriminell, dass wir ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem wir die Epidemie in den Griff bekommen und immer mehr Betroffene medizinisch versorgen könnten, Zeuge eines massiven Finanzierungsrückgangs werden, der uns um Jahre zurückwerfen könnte“, betonte die Gruppe vor Journalisten in Johannesburg.

Der GF hatte zuletzt 70 Prozent der in Afrika verteilten antiretroviralen Medikamente bezahlt, mit denen HIV-Patienten behandelt werden. «Es stimmt, dass Länder wie Italien und Spanien ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen, aber noch mehr Sorge macht uns die gesamtwirtschaftliche Situation im Euro-Raum und in den USA», sagte der Direktor für Außenbeziehungen des Fonds, Christoph Benn, der Nachrichtenagentur dpa. „Deshalb hielten wir es für ehrlicher, die Empfängerländer darauf aufmerksam zu machen.“ Zwar sei die Weiterführung der Programme zunächst nicht gefährdet, betonte er, aber gleichzeitig sollten sich die Empfängerländer keine falschen Hoffnungen auf neue, erweiterte Programme machen.

Eine Lösung könnte es sein, aufstrebende Schwellenländer wie China und Indien in die Pflicht zu nehmen. „Diese Länder verzeichnen ein ständiges Wirtschaftswachstum, während die traditionellen Geberländer mit finanziellen Problemen kämpfen“, sagt Professor Alan Whiteside, der als Direktor der „Health Economics and HIV/AIDS Research Division“ (HEARD) an der Universität von KwaZulu-Natal im südafrikanischen Durban arbeitet.

Whiteside ist überzeugt, dass die künftige Finanzierung von HIV/Aids-Programmen bei der Konferenz in Addis Abeba „ganz oben auf der Agenda stehen werden“. Äthiopiens Gesundheitsminister Tewodros Adhanom hatte es kürzlich vor Medienvertretern so formuliert: „Es sind nur noch wenige Jahre, bis wir das Millenniums-Entwicklungsziel, die Verbreitung von AIDS bis zum Jahr 2015 zu stoppen und umzukehren, erreicht haben sollten. Die Welt kann es sich trotz der Krise leisten, weiter auf dem gleichen Level Geldmittel bereitzustellen, wenn nicht sogar mehr.“

Insgesamt sind bei der 16. ICASA mehr als 1000 verschiedene Sitzungen und Veranstaltungen geplant. Das Motto heißt bezeichnenderweise: „Own, Scale-up and Sustain“ - also etwa: „Problem erkennen, Mittel erhöhen und erhalten“. Obwohl die Zahlen der Neuinfektionen laut UNAIDS in 22 schwarzafrikanischen Ländern - darunter in Äthiopien, Nigeria und Simbabwe - zurückgehen, bedroht Aids auf dem Kontinent weiterhin das Leben von vielen Millionen Menschen. „Afrika bleibt das Epizentrum der Epidemie“, erklärte Adhanom. Und ohne großzügige weitere Finanzierungen der internationalen Gemeinschaft sieht es für die Aids-Kranken auf dem Kontinent sehr düster aus. (APA/dpa)


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