„Aus einem Totenhaus“ in Wiener Staatsoper

Mit dem Ring hat am Sonntag die letzte Premiere der Wiener Staatsoper im heurigen Jahr begonnen: Der deutsche Starregisseur Peter Konwitschny lässt für seine Inszenierung von Leos Janaceks letztem Bühnenwerk „Aus einem Totenhaus“ eine vom Operndach gefilmte Aufnahme der Ringstraße projizieren. Auf den Trubel vor dem Haus folgen dann gut eineinhalb Stunden turbulenten Operntheaters im Haus.

Konwitschny transformiert die Akteure vom sibirischen Straflager zu heutigen Mafiamitgliedern im kühl-gestylten Loft. Stieß dieses Regiekonzept bei vielen im Publikum auf Ablehnung, wurde die Leistung des Staatsopernorchesters unter Franz Welser-Möst und weiten Teilen des Sängerensembles bejubelt.

Gut 80 Jahre hatte es gedauert, bis Janaceks 1928 entstandenes Vermächtnis seinen Erstaufführung in der Staatsoper feiern konnte. Generalmusikdirektor Welser-Möst, dem der im Vorjahr mit „Katja Kabanova“ begonnene Janacek-Zyklus an der Staatsoper ein Herzensanliegen ist, hatte sich für die entschlackte Urfassung entschieden, die bereits im Juni in Zürich uraufgeführt worden war. Von allen nachträglichen Hinzufügungen befreit präsentiert sich die Collage über Macht und Gewalt, strukturelle Repression und Menschlichkeit als instrumentarisches Kondensat. Die scheinbare Einfachheit in der Instrumentierung wird hier als Analogon zur Simplizität des Lagerlebens verstanden.

Dieses Konzept setzte das Staatsopernorchester mit aller Verve in Szene. Lyrische Passagen werden immer wieder von plötzlichen Schnitten durchkreuzt, die Musik mit aller Lebensenergie gespielt, die den Akteuren des Stücks schon längst abhandengekommen ist. Dieser musikalische Wirbelsturm machte es allerdings einigen Ensemblemitgliedern schwer, sich selbst Gehör zu verschaffen.

Im Zentrum stehen die vier Monologe von Verurteilten, die Janacek beinahe wörtlich aus Dostojewskis „Aufzeichnungen aus einem Totenhaus“ übernahm. Hier konnten Herbert Lippert als Skuratow und Misha Didyk als Luka Kusmitsch überzeugen. Herzlich willkommen geheißen vom Publikum wurde auch der britische Bariton Christopher Maltman, der mit seinem Auftritt als Frauenmörder Schischkow einen charismatischen Einstieg im Haus am Ring feierte.


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