Ökostrom-Kosten steigen nur noch bis 2015/16

Bis dahin sei mit einem Anwachsen der jährlichen Kosten von heuer 36 Euro auf dann 53 Euro pro Haushalt zu rechnen, erklärte der für Energie zuständige Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner.

Wien – Die Kostenbelastung auf der Stromrechnung für die heimischen Haushalte durch die Subventionierung von Ökostrom soll nach 2015/16 nicht mehr weiter steigen. Bis dahin sei aber noch mit einem Anwachsen der jährlichen Kosten von heuer 36 Euro auf dann 53 Euro pro Haushalt zu rechnen, erklärte der für Energie zuständige Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) am Montag. Bei der Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien ist Österreich in Europa Spitzenreiter: 2010 betrug der Anteil bei der Abgabe an Endverbraucher übers öffentliche Netz 79,3 Prozent - davon allein 65,3 Prozentpunkte aus nicht geförderter „Großwasserkraft“. Der Anteil des geförderten Ökostroms stieg von 9,7 auf 10,7 Prozent. Im Europa-Vergleich liegt unser Land bei 68 Prozent statt 79,3 Prozent, bereinigt man um Industrieeinspeisung und Umspannwerke.

Von den 10,7 Prozent des eingespeisten Ökostroms stammte im Vorjahr ein Drittel - 3,7 Prozentpunkte - aus Windkraft. Ein weiteres Drittel kam mit 3,6 Prozentpunkten aus Biomasse und ein Fünftel oder 2,3 Prozentpunkte aus Kleinwasserkraft. Photovoltaik steuerte lediglich 0,05 Prozentpunkte bei. Durch „Optimierungen“ mit der letzten Ökostromgesetz-Novelle werde der 10,7-Prozent-Anteil in einigen Jahren bis auf 17,7 Prozent klettern, so der Minister.

2015/16 fallen Altanlagen aus der Förderung

Die Ökostrom-Kosten seien in Österreich mit heuer 36 Euro pro Haushalt vergleichsweise niedrig, in Deutschland waren es im Vorjahr bereits 72 Euro - mit steigender Tendenz. E-Control-Vorstandsdirektor Martin Graf nannte für heuer (2011) für Deutschland eine Größe von 120 Euro pro Haushalt. Nicht mehr weiter steigen sollen die Kosten 2015/16, weil Altanlagen aus der Förderung herausfallen, wie dies je nach Modell nach 13, 15 oder 20 Jahren der Fall ist. Zunächst steigt der Förderaufwand noch kumuliert um knapp 100 Mio. Euro an, so Graf, da ja für Neuanlagen jährlich 21 Mio. zusätzlich nötig seien.

Im Vorjahr lag das Ökostrom-Vergütungsvolumen in Österreich bei 588 Mio. Euro (nach 548 Mio. Euro 2009), davon entfielen 65 (33) Mio. Euro auf Kleinwasserkraft und 523 (514) Mio. Euro auf „Sonstige Ökostromanlagen“. Bei fester Biomasse stagnierte dabei das Vergütungsvolumen bei 269 (271) Mio. Euro, bei Windkraft stieg es auf 157 (149) Mio. Euro und bei flüssiger Biomasse auf 76 (74) Mio. Euro.

Bezogen auf die rund 1100 Petajoule (PJ) Brutto-Endenergiebedarf, von dem nur rund ein Fünftel auf Strom entfällt, hat der Anteil Erneuerbarer Energien im Vorjahr 30,8 Prozent betragen, womit Österreich laut Mitterlehner hinter Lettland und Schweden an dritter Stelle lag, in Deutschland waren es nur 18 Prozent. Das heimische 34-Prozent-Ziel werde voraussichtlich leicht übertroffen: Für 2020 rechne er mit 35 Prozent, sagte der Minister in einem Pressegespräch.

Bereits 2014 kein Import-Überhang mehr

Inklusive Großwasserkraft ist der Ökostrom-Anteil in Österreich im Vorjahr von 85 auf 79,3 Prozent gesunken - vor allem wegen weniger Strom aus Wasserkraft infolge niedriger Wasserführung. Dieser Trend hat sich heuer auf Basis der Zahlen bis Oktober sogar noch verstärkt. Dem soll laut dem für Energie zuständigen Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) durch mehr Ökostrom entgegengewirkt werden.

Bereits 2014 werde Österreich in der Jahresbilanz keinen Strom-Import-Überhang mehr aufweisen, zeigte sich der Minister am Montag in einem Pressegespräch überzeugt. Physikalisch werde natürlich weiterhin auch Atomstrom hereinkommen - den sollen aber vermehrte Strom-Zertifikate zurückdrängen. Nach dem Atomunfall im japanischen Fukushima sei das eine gesamteuropäische Tendenz.

Anti-Atomstrom-Alleingang nicht möglich“

Eine Vorreiterrolle Österreichs in Sachen Anti-Atomstrom-Importe lehnt Mitterlehner ab, dafür sei unser Land zu klein: „Die NGOs glauben, das ginge auch im Alleingang - das glauben wir nicht. Wir sind mit den NGOs aber in einem guten Kontakt zu diesem Thema.“ Mitterlehner erwartet aber speziell in Deutschland eine intensive Diskussion darüber aufgrund des dortigen Atomausstiegs-Beschlusses. Damit werde der Druck Richtung mehr Ökostrom-Zertifizierung steigen.

Pro Kilowattstunde (kWh) sei durch Zertifikate, die Strom aus Erneuerbaren Energien bescheinigen, mit einer Mehrbelastung von 0,2 Euro-Cent zu rechnen, sagte E-Control-Vorstand Martin Graf. Zertifikate für Strom aus kalorischen Kraftwerken seien billiger.

Bezogen auf den längerfristig rund 1,3 Prozent pro Jahr steigenden Strombedarf hat der geförderte Ökostrom in den vergangenen sieben Jahren, also seit 2002/03, die seither hinzugekommenen 5 Terawattstunden (TWh) abdecken können, sagte Christian Schönbauer, seit September Leiter der Sektion Energie im Wirtschaftsministerium. Von den 54,985 TWh, die 2010 über öffentliche Netze an Endverbraucher abgegeben wurden, stammten 79,3 Prozent aus „Erneuerbaren“.

Um eine objektive Entscheidungsbasis in Sachen „Atomstrom-Importverbot“ zu schaffen und ein Vertragsverletzungsverfahren zu vermeiden, hat das Wirtschaftsministerium den Verfassungsdienst im Bundeskanzleramt um Stellungnahme ersucht. Weiters soll ein Gutachten beim Rechtsdienst der EU-Kommission klären, ob ein österreichisches Atomstrom-Importverbot überhaupt mit EU-Vertragsrecht vereinbar sei, hatte Mitterlehner Mitte Oktober erklärt. Diese beiden Stellungnahmen liegen aber noch nicht vor, wurde am Montag auf Anfrage erklärt.

Für Photovoltaik geht Mitterlehner aufgrund der fortschreitenden Kostendegression davon aus, dass hier 2015 bei etwa 18 Euro-Cent je kWh eine „Netzparität“, also eine Art Wettbewerbsfähigkeit, erreicht werden kann. Wasserkraft sei jetzt schon wettbewerbsfähig, Wind sei knapp dabei.

Die Ökostrom-Einspeisetarife will der Minister „in gleicher oder leicht geringerer Größenordnung“ weiter entwickeln - also eher dämpfen -, weil auch Druck auf die Technologien da sei. Die Beiratsitzung für die Einspeise-Tarife 2012 wird am Montag, dem 19. Dezember stattfinden. Aufgrund neuer Technologien werde es zwischen 2015 und 2020 ein neues Ökostromgesetz geben, sagte Mitterlehner. (APA)


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