Tiroler Hypo Bank erhält 230 Millionen Euro Finanzspritze

Die Tiroler Hypo Bank wird vom Land mit 230 Millionen Euro unterstützt. Das Geld kommt aus einer vorweggenommenen Dividende der TIWAG AG.

Innsbruck – In einem wohl einmaligen Vorgang wird nun die Kernkapitalquote der Tiroler Landesbank mit fast einer Viertel Milliarde Euro gestärkt. Das erfuhr die Tiroler Tageszeitung aus Regierungskreisen vor der Pressekonferenz, die nun um 14 Uhr – nach intensiven Verhandlungen und den Hypo-Gipfel -Gesprächen – über den weiteren Umgang mit der Hypo-Bank informieren soll.

Die durch missglückte Kreditgeschäfte in Italien in Schieflage geratene Landesbank hat demnach einen Finanzbedarf von 230 Millionen Euro abzudecken. Das ergaben Gespräche und Verhandlungen zwischen Hypo Aufsichtsratschef Wilfried Stauder und Finanzlandesrat Christian Switak. Bereits am Wochenende hatten sich Stauder und Platter in der Causa beraten.

Die Dividende einer ganzen Dekade

Das Geld soll offenbar aus einer vorweggenommenen Dividendenzahlung der TIWAG AG, die sich ebenfalls in Landesbesitz befindet, fließen. Zuletzt wurde für das Jahr 2010 eine Dividende von 28 Millionen Euro ausbezahlt. Die vorweggenommene Dividende könnte somit die ans Land ausbezahlten TIWAG-Gewinne einer gesamten Dekade (ohne Finanzierungskosten) umfassen – falls die Ertragslage in diesen Jahren stabil bleibt.

110 Millionen Euro Verlust

Die in Italien abzuschreibenden Kredite erreichen eine Höhe von mindestens 120 Millionen Euro. Der Verlust der Bank im Jahr 2011 beträgt rund 110 Millionen Euro. Die Kernkapitalquote lag zuletzt bei rund 5,8 Prozent.

Nachdem die Probleme in Italien in den letzten Wochen öffentlich wurden, drohte der Landesbank eine Herabstufung der Bonität durch die Rating-Agentur Moody‘s. Die Agentur stellte dabei einen mehrstufigen Verlust von Kreditwürdigkeit in Aussicht. Rund sechs Bonitätsstufen erhält die Bank aufgrund der Eigentümerstruktur bzw. Haftung durch das Land Tirol und damit den Steuerzahler. Diese zusätzliche Bonität stand auf dem Prüfstan.

Ob die Finanzspritze - die mit 230 Millionen Euro um rund 30 Millionen Euro höher ausfällt als bisher erwartet – ausreichen wird, um die A2-Bonität zu halten, bleibt abzuwarten. Das Kernkapital soll auf bis zu 9 Prozent gehoben werden

FPÖ unterstützt den Schritt, Grüne dagegen

Gerald Hauser von der FPÖ hielt nach dem Gipfel fest, dass dem Landesunternehmen geholfen werden müsse. „Ein Landesunternehmen hilft dem anderen, damit die Bank über das nötige und von der Finanzmarktaufsicht geforderte Eigenkapital verfügt“, erklärte er. Die Landesbank müsse erhalten bleiben, ohne dass jetzt, „zur Unzeit“ ein Partner an Bord genommen werde. Die Hypo müsse allerdings ihr Geschäft überdenken und „ein stärkeres Augenmerk auf Häuslbauer, Sparer und Unternehmen“.

Gleichzeitig forderte Hauser dass „das Finanzdesaster aufgeklärt und lückenlos aufgearbeitet“ werden müsse. „Die Verantwortlichen müssen zur Verantwortung gezogen werden.“

Anders die Tiroler Grünen.Sie sprechen sich dagegen aus, „ungeschaut weiteres Geld“ nach dem Millionendebakel zu versenken: „Ohne volle Offenlegung des bisherigen Debakels weitere zig Millionen in die Hypo zu senden, ist schlichtweg unverantwortlich“, ist für Klubobmann Georg Willi klar.

„Wenn der Landeshauptmann von kriminellen Machenschaften bei der Hypo spricht, dann wollen wir zuerst wissen, welche Verbrecher welche Verbrechen begangen haben. Sonst besteht ja das Risiko, dass dem frischen Geld das gleiche Schicksal droht“, bekräftigte der Abgeordnete Gebi Mair diesen Standpunkt.

„Landeshauptmann Platter will, dass die TIWAG-KundInnen das Millionenloch der Hypo mit 230 Millionen Euro stopfen. Das wird die TIWAG-KundInnen aber wenig freuen. Und den SteuerzahlerInnen fehlt das Geld dann im Landesbudget. Und wo ist die Gegenleistung der Hypo dafür“, hinterfragt Gebi Mair das Handeln des Landeshauptmannes. (tt.com, pn)


Kommentieren


Schlagworte