Neue Runde im Ruby-Prozess gegen Berlusconi

Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi glaubte, dass die junge Marokkanerin Ruby mit dem ehemaligen ägyptischen Präsident Hosni Mubarak verwandt war.

Rom – Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi war fest davon überzeugt, dass das Escortgirl Ruby eine Angehörige des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak war, daher habe er sich aktiv für die Freilassung der im Mai 2010 wegen Diebstahls festgenommenen Marokkanerin eingesetzt. Dies versicherte Berlusconis Verteidigung bei einer Audienz im Mailänder Prozess am Montag, bei dem der Politiker wegen Sex mit einer Minderjährigen und wegen Amtsmissbrauchs angeklagt ist.

Der am 12. November als Regierungschef zurückgetretene Berlusconi nahm auch am Montag nicht an den Verhandlungen teil. Im Prozess um den Fall „Rubygate“ lastet die Staatsanwaltschaft ihm vor allem sexuelle Kontakte zu der damals noch minderjährigen Ruby alias Karima al-Marough an. Berlusconi wird zudem Amtsmissbrauch vorgeworfen, weil er das Mädchen mit einem Anruf bei der Polizei aus deren Gewahrsam befreit haben soll. Berlusconi bestreitet strafbare Handlungen.

Bei der Gerichtsverhandlung am Montag wurde ein Vize-Polizeichef vernommen, der die Ermittlungen um den Fall geführt hatte. Er berichtete, dass sich Berlusconi nur in der Nacht zwischen dem 27. und 28. Mai 2010 bei der Polizei angerufen hatte und Druck für Rubys Freilassung gemacht hatte. In weiteren drei Fällen im Juni 2010, in denen Ruby von der Polizei festgenommen worden war, hatte sich Berlusconi nicht für die Freilassung der jungen Frau eingesetzt, berichtete der Vize-Polizeichef Marco Ciacci. Laut der Verteidigung bezeuge dies, dass Berlusconi fest überzeugt war, dass Ruby eine Angehörige Mubaraks war. Nachdem es sich herausgestellt hatte, dass es keine Verwandtschaft zwischen der jungen Marokkanerin und dem damaligen ägyptischen Präsidenten gab, habe sich Berlusconi mit dem Mädchen nicht mehr beschäftigt.

Der Polizeifunktionär berichtete, dass Ruby der Prostitution nachging. Das marokkanische Escortgirl, sowie zwei weitere Frauen, die in Berlusconis Villa verkehrten, hätten sich zum Zeitpunkt der Ermittlungen auch unabhängig von den Festen des Ex-Premiers „professionell“ prostituiert. Der Mailänder Ermittler berief sich auf Zeugenaussagen sowie auf schriftliche und telefonische Hinweise.

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Mehr als 200 teils prominente Zeugen sollen noch vor Gericht geladen werden, darunter US-Filmstar George Clooney, die sardische Schauspielerin Elisabetta Canalis und Real Madrids Fußballstar Cristiano Ronaldo. Bisher ist Berlusconi im Ruby-Prozess noch nie vor Gericht erschienen. (APA)


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