„Occupy Landwirtschaftskammer“: Tierschützer verhaftet

Tierschutzaktivisten protestierten gestern vor der Landwirtschaftskammer in Innsbruck gegen die Kastenhaltung von Schweinen. Die Blockade wurde von einem Großaufgebot der Polizei aufgelöst.

Von Marco Witting

Innsbruck – Vermummte­ Cobra­-Beamte auf einer Drehleiter, davor mehrere Mannschaftswagen, Blaulicht, das sich im Kreis dreht, eine Straßensperre – dazwischen hallen Schreie durch die Stille­. Es ist kurz vor 10 Uhr am Dienstagvormittag. Was nach einem Bankraub oder einer Übung aussieht, ist das Ende einer Protestaktion des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) vor dem Gebäude des Bauernbunds und der Landwirtschaftskammer in Innsbruck.

Kurz vor acht Uhr hatten fünf Aktivisten den Eingang zum Gebäude in der Brixner Straße mit Stangen und Bändern blockiert, zwei Frauen hingen an Seilen vom Dach herunter, über ihnen ein großes rosarotes Plakat. Darauf zu lesen: „ÖVP blockiert Kastenstandsverbot“. In einer Aussendung kritisierte der VGT diese Art der Schweinehaltung und dass Tierschutzorganisationen aus den Verhandlungen zwischen Minister Berlakovich (VP) und Vertretern der Schweineindustrie ausgeschlossen wurden.

Während die Kammermitarbeiter über einen Hintereingang ins Gebäude kamen, harrten Aktivisten und Polizisten in der Kälte aus. Es gab Kaffee – allerdings nur für die Beamten. Gegen 8.45 Uhr forderte die Exekutive die Tierschützer auf, den Eingang innerhalb von fünf Minuten zu räumen. Doch die Aktivisten wollten dies erst tun, wenn sie zu den Verhandlungen zugelassen werden. Eine Stunde später hat sich ein Großaufgebot in der Straße versammelt. Die Polizei beginnt nach neuerlichen Gesprächen die Versammlung aufzulösen und trägt die ersten drei Aktivisten davon. Der bekannte Tierschützer Chris Moser hatte sich, wie neben ihm auch eine junge Frau, mit einem Fahrradschloss an das Eingangsgitter gekettet. Vorsichtig mussten die Schlösser abgeschnitten werden, ehe auch die beiden in den Polizei­wagen getragen wurden.

Cobra-Beamte holten derweil auch die beiden jungen Frauen in luftiger Höhe auf den Boden der Tatsachen zurück. Mit der Drehleiter wurden sie behutsam eingefangen. Während die Aktivisten „keine Gewalt“ brüllten, wurden sie von der Polizei – vorsichtig, aber bestimmt – abgeführt. Die sieben Personen leisteten keinerlei Widerstand. Mehrere Streifen der Polizei und Cobra sowie drei Fahrzeuge der Feuerwehr waren im Einsatz.

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Der Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol, Josef Hechenberger, zeigte sich von der Aktion überrascht. „Diese Art der Tierhaltung spielt in Tirol keine Rolle. Es gibt nur drei Betriebe, die diese anwenden.“

Die Tierschützer wurden in die Innsbrucker Polizei­direktion gebracht. Allerdings weigerten sich die Demonstranten, ihre Identität preiszugeben, und gaben nur ihre Nationalität zu Protokoll. Alle sieben wurden erkennungsdienstlich (Fingerabdrücke) erfasst. Noch in der Mittagszeit wurden die Tierschützer wieder auf freien Fuß gesetzt. Sie werden wegen einer illegalen Demonstration angezeigt.

Eine ähnliche Aktion von Tierschützern gab es in Linz, wo Aktivisten in die Zentrale der ÖVP Oberösterreich gingen und ein Büro besetzten. Nach Gesprächen verließen sie das Büro dann wieder.


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