Fünf Tote, 123 Verletzte: Trauer und Entsetzen nach Blutbad in Lüttich

Bei dem Anschlag mit Schusswaffen und Granaten im Zentrum der belgischen Stadt Lüttich sind fünf Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 123 Personen wurden bei der Tat an einer Bushaltestelle verletzt. Der Täter war den Behörden als gewalttätig bekannt und saß wegen Waffenbesitzes bereits im Gefängnis.

Lüttich - Trauer und Fassungslosigkeit in Belgien: Einen Tag nach der Bluttat mit fünf Toten in Lüttich geht das Rätselraten um das Motiv des Täters weiter. Der 33-Jährige, der Granaten warf und offenbar wahllos mitten im weihnachtlichen Einkaufstrubel auf die Menschen schoss, war der Polizei als gewalttätig bekannt und bereits wegen illegalen Waffenbesitzes vorbestraft. Er sei ein Einzeltäter gewesen, ein terroristischer Hintergrund werde ausgeschlossen, teilten die Behörden mit. Nach der Tat hatte sich der Mann den Angaben zufolge selbst erschossen.

Kleinkind erlag Verletzungen

Die Zahl der Todesopfer stieg in der Nacht zum Mittwoch auf insgesamt mindestens fünf. Wie die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf Krankenhausangaben berichtete, starb am späten Dienstagabend ein erst 17 Monate altes Kleinkind an seinen schweren Verletzungen. Die Zeitung «la Libre» berichtete in ihrer Onlineausgabe von zwei weiteren Todesopfern, die jedoch nicht offiziell bestätigt wurden.

Mehr als 123 Menschen wurden verletzt. Mehrere von ihnen befanden sich am Mittwochmorgen noch in kritischem Zustand, darunter ein 20-Jähriger, der schwere Hirnverletzungen erlitten hatte. Viele der Opfer seien von Geschossen oder Splittern verletzt worden, hieß es.

Der 33 Jahre alte Täter hatte am Dienstagmittag auf einem zentralen Platz in der Innenstadt von Lüttich gleich neben einem Weihnachtsmarkt Handgranaten gezündet und um sich geschossen. Außer dem Kleinkind und dem Täter selbst starben auch zwei 15 und 17 Jahre alte Jugendliche sowie eine 75-Jährige Frau.

„Es war grauenhaft“

Das Attentat löste Panik aus. Die Menschen rannten um ihr Leben, versuchten, sich und ihre Kinder vor den Kugeln und Granaten in Sicherheit zu bringen. „Es war grauenhaft“, schilderte ein Augenzeuge dem Sender RTL die Augenblicke nach der Tat. Geschäfte und Cafés wurden verbarrikadiert. Auf Fernsehbildern waren Blutlachen zu sehen. Unter den Verletzten soll sich auch ein Kleinkind befinden, das noch mit dem Leben ringt.

Zur Versorgung der Verletzten wurden Rettungskräfte aus den Niederlanden angefordert. Die Schwerverletzten wurden in die Krankenhäuser gebracht, und im Hof des Justizpalastes unweit des Anschlagsortes wurde eine Notversorgungsstelle für die Leichtverletzten eingerichtet. „Die Zustände sind chaotisch“, sagte der Vater eines verletzten Kindes dem Fernsehsender RTL.

Mehrere Medien hatten zunächst über eine Verfolgungsjagd mit einem mutmaßlichen Komplizen durch die Innenstadt berichtet. Demnach gab es eine Stunde nach dem Anschlag einen Schusswechsel mit Sicherheitskräften. Die Polizei dementierte dies aber später. Auch Meldungen, ein mutmaßlicher zweiter Täter habe sich in den Justizpalast geflüchtet, erwiesen sich als falsch.

Dutzende Waffen zu Hause gehortet

Über das Motiv des 33-Jährigen gab es zunächst keine genauen Angaben. Er hatte einen Termin für eine Befragung durch die Justizbehörden, sagte Staatsanwältin Reynders. Der Mann war laut Staatsanwaltschaft wegen Sexualdelikten vorbestraft und hatte zuletzt 2008 eine Haftstrafe von 58 Monaten für illegalen Waffenbesitz und den Anbau von Cannabis erhalten. Laut der Zeitung „Sudpresse“ waren damals bei ihm 9.500 Waffenteile sowie Dutzende einsatzbereite Schusswaffen gefunden worden. Warum es ihm nach der Haft erneut gelang, sich zu bewaffnen, gehört zu großen Fragen, die zunächst unbeantwortet blieben.

„Das ganze Land teilt Ihren Schmerz“

Das Blutbad sorgte für Entsetzen und tiefe Trauer. Der belgische Premierminister Elio Di Rupo besuchte ebenso wie König Albert II. den Tatort. „Das ganze Land teilt Ihren Schmerz“, sagte Di Rupo an die Adresse der Familien der Opfer. Er betonte, es habe sich um einen Einzeltäter und nicht um Terrorismus gehandelt. Auch der Lütticher Bürgermeister Willy Demeyer sprach von einer „Einzeltat, die tiefe Betroffenheit im Herzen der Stadt gesät hat“. Die Regierung setzte ein Sondertreffen der Minister für Mittwochmorgen an. (dpa/dapd)


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