KZ-Überlebender Hans Marsalek gestorben

Der Widerstandskämpfer und Überlebende des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Mauthausen, Hans Marsalek, ist tot. Er starb bereits Freitag vergangener Woche im Alter von 97 Jahren in Wien, teilte das Mauthausen Memorial mit. Marsalek hatte das Museum und Archiv der Gedenkstätte nach dem Krieg aufgebaut.

„Alles, was heute in der KZ-Gedenkstätte passiert, basiert auf seiner Arbeit. Er legte den Grundstein für das, wofür wir heute arbeiten“, hieß es in der Aussendung. Es sei Marsalek besonders wichtig gewesen, jungen Leuten sein Wissen zu vermitteln. Er habe immer ohne Hass gesprochen und darauf hingewiesen, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist, damit der Appell „Niemals wieder!“ zu keiner hohlen Phrase wird.

Marsalek, am 19. Juli 1914 in Wien als Kind eines aus dem Böhmerwald zugezogenen Ehepaares geboren, erlernte den Beruf des Schriftsetzers. Er betätigte sich früh politisch, zunächst bei der Sozialistischen Arbeiterjugend, später wandte er sich den Kommunisten zu. Nach dem „Anschluss“ Österreichs entzog er sich der Einberufung zur Deutschen Wehrmacht durch die Flucht in die Tschechoslowakei. Er tauchte in Prag unter, wenige Wochen später marschierten die deutschen Truppen aber auch dort ein. Er begann den Widerstand gegen die Besatzer zu organisieren. Seine Gruppe wurde durch einen Polizeispitzel verraten. Er wurde am 28. Oktober 1941 in Prag verhaftet. Die Gestapo brachte ihn nach Wien. Am 28. September 1942 transportierten ihn die Nazis in das Konzentrationslager Mauthausen.

Als die SS nach Häftlingen für die Schreibstube suchte, wurde er wegen seines Berufes als Schriftsetzer ausgewählt. Die Tätigkeit bot ihm die Möglichkeit, Mithäftlingen zu helfen und sie sogar vor dem Tod zu bewahren. Außerdem konnte er in einer kleinen Widerstandsorganisation im Lager mitarbeiten.

Nach der Befreiung des Lagers war es ihm möglich, bei den ersten Ermittlungsverfahren gegen Kriegsverbrecher mitzuwirken, weil er als Häftlingsschreiber über viele Vorgänge im Lager Bescheid gewusst hat. Er trat in den Polizeidienst ein und bekam den Auftrag des Innenministers, für die seit 1947 bestehende KZ-Gedenkstätte ein Museum einzurichten. Damit begann auch seine wissenschaftliche Arbeit: Er legte als Grundlage für das Museum ein umfangreiches Archiv an und arbeitete an Publikationen. 1974 wurde seine wichtigste veröffentlicht: „Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen“, sie ist 2006 in ihrer vierten überarbeiteten Auflage erschienen. Es ist nach wie vor das Standardwerk zu diesem Thema. 2009 bekam er das Ehrendoktorat der Linzer Johannes Kepler Universität verliehen.


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