„Mein Gott, Walther“: Mike Krüger wird 60

Aus Deutschlands Comedyszene ist er nicht mehr wegzudenken: Mike Krüger, Urgestein der Komik und auf der Bühne stets mit Gitarre bewaffneter Blödelbarde. Ohne „Walther“, den „Nippel“ oder „Bodo“ wäre er heute vielleicht Architekt.

Hamburg - Der Lieblingswitz von Komiker Mike Krüger dreht sich um ein Gesichtsorgan - allerdings nicht um das Markenzeichen der „Supernase“. Was er komisch findet? „Kommt ein Zyklop zum Augenarzt“. So erzählt es der Comedian, Musiker, Schauspieler und Showmaster auf seiner eigenen Internetseite, auf deren Terminkalender man derzeit einen wichtigen Eintrag vermisst: Krüger wird 60. Am Mittwoch (14. Dezember) feiert der in Hamburg lebende Allrounder, der in seinen Hits den Nippel durch die Lasche zog und Bodo mit dem Bagger baggern ließ, seinen runden Geburtstag. Doch dazu will er sich nicht groß äußern, er habe einfach zu wenig Zeit für Interviews, heißt es von seiner Agentur.

Ein Nummer-eins-Album

„Mein Gott, Walther“: 36 Jahre ist das jetzt her - das Lied über den kleinen Walther Wachtel, dem nichts so recht gelingen will. Der Song wurde ein Hit und machte den großen Schlacks mit der auffälligen Nase auch als Komiker groß. Geschrieben hat Krüger den Song schon als 15-Jähriger, als der Schüler Michael noch der Klassenclown war. „Gelacht hat man über mich schon in der Schule, aber ausgelacht wurde ich zum Glück nie“, erzählte der gebürtige Ulmer, der in Hamburg aufwuchs, mal in der Rubrik „einestages“ bei „Spiegel Online“.

Das „Mein Gott, Walther“-Album - die Aufnahme eines Auftritts in einem kleinen Hamburger Lokal - wurde 700.000 Mal verkauft, es ist Krügers bislang einziges Nummer-eins-Album. „Das wird es wohl auch bleiben“, meinte Krüger im dpa-Interview vor seinem 35. Bühnenjubiläum, das er im vergangenen Jahr feierte. 2011 wurde erneut zum Jahr eines 35. Jubiläums für ihn - das der Ehe mit Birgit, Mutter seiner Tochter. Auch der „Walther“ gehört noch immer zu ihm: „Die Leute singen mit, die kennen ja jedes Wort, und ich spiele einfach nur Gitarre dazu - das ist herrlich“, sagte er.

„Die Supernasen“ und „Vier gegen Willi“

Krüger ohne Gitarre - auf der Bühne undenkbar, im Fernsehen und Kino dagegen durchaus. Gemeinsam mit Thomas Gottschalk sicherte er sich in den 80er-Jahren mit gleich mehreren Leinwand-Komödien auf immer und ewig den „Supernasen“-Titel. Auch als Moderator im Fernsehen startete der gelernte Betonbauer, der als Lehrling den neuen Hamburger Elbtunnel mitbaute, zu jener Zeit durch und moderierte von 1986 bis 1989 die ARD-Samstagabendshow „Vier gegen Willi“.

Diesem Medium ist Krüger nach Stationen wie „Verlieren Sie Millionen“, „Punkt, Punkt, Punkt“, „Krüger sieht alles“ und „7 Tage, 7 Köpfe“ bis heute treugeblieben. Zur letzteren Show holte ihn Fernsehlegende Rudi Carrell (1934-2006), der schon großen Anteil am Erfolg von „Walther“ hatte, als er Krüger damit in seine beliebte Sendung „Am laufenden Band“ einlud. Manche TV-Formate mit Krüger wurden schnell eingestellt, andere liefen länger. Aktuell sitzt die „Supernase“ als Spürnase im SWR-Rateteam bei „Sag die Wahrheit“.

Der Tournee-Bühne indessen war Krüger über viele Jahre untreu geworden. Erst 2009 kehrte er dorthin zurück - als „Zweiohrnase“ mit schütterem Haar, Kalauern und Schenkelklopfern, mit alten und neuen Blödelsongs. Zuletzt trat der Entertainer, der Xavier Naidoos Songzeilen „Dieser Weg wird kein leichter sein“ zu „Dieses Steak müsste weicher sein“ umtextete und aus Frank Sinatras Klassiker „My Way“ mal eben „Mein linkes Knie tut mir im Mai weh“ machte, mit seinem Live-Programm „Is‘ das Kunst, oder kann das weg?“ auf.

Ist er denn immer noch der „Knittelbarde“? „Ach, das war so eine Erfindung meiner Plattenfirma. Barden waren damals in den Siebzigern ja in, da gab es Reinhard Mey, Otto Waalkes. Aber ich lege auch heute noch Wert darauf, dass das ein oder andere Lied gesungen wird.“ Das unterscheidet Krüger von vielen jüngeren Comedians, die lediglich auf das gesprochene Wort setzen - das sei aber nichts für ihn. „Mich langweilt das, wenn einer zwei Stunden auf mich einredet.“ (dpa)


Kommentieren