Ägyptische Wahl geht weiter: Lange Schlangen und Turbulenzen

Mit Verspätungen und zahlreichen Beschwerden hat am Mittwoch die zweite Etappe der Parlamentswahl in Ägypten begonnen.

Kairo - In Ägypten hat am Mittwoch die zweite Etappe der Parlamentswahl begonnen. Arabische Sender zeigten Bilder von langen Menschenschlangen, die sich zur Stimmabgabe anstellten. Bei einem Wahllokal nahe der Hauptstadt Kairo in der Region Giza kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Anhängern verschiedener Kandidaten. Das Militär und Sicherheitskräfte griffen ein.

Nach Angaben lokaler Medien beschwerten sich zudem einige Kandidaten, ihre Konkurrenten aus dem Lager der ehemaligen Partei von Präsident Hosni Mubarak und die Islamisten hätten noch am Morgen für ihre Kandidaten Flugblätter verteilt und Plakate aufgehängt. Dies ist in Ägypten so kurz vor Beginn der Wahl verboten. Im ersten Wahlgang, in dem rund 17 Millionen Menschen stimmberechtigt waren, hatten die Islamisten mit Abstand die meisten Stimmen erhalten.

Ein Militärgericht bestätigte unterdessen die Verurteilung des Bloggers Maikel Nabil wegen „Verunglimpfung“ der Armee. Er wurde zu einer zweijährigen Haftstrafe und eine Geldbuße von 200 ägyptischen Pfund verurteilt. Das Tribunal bestätigte ein früheres Urteil vom April, das als der erste Prozess gegen einen Blogger seit dem Sturz von Mubarak galt. Der 26-Jährige befindet sich im Hungerstreik. Menschenrechtsorganisationen und Oppositionelle hatten zu seiner Freilassung aufgerufen.

Bei der Wahlrunde am Mittwoch und Donnerstag waren 18,8 Millionen Wähler in neun Provinzen aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Sie wählen sowohl Direktkandidaten als auch Parteilisten und sollen 180 von insgesamt 498 Mandaten vergeben. Dafür haben sie bis einschließlich Donnerstagabend Zeit. Die Wahllokale öffnen diesmal unter anderem in Giza, Suez und Assuan.

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Die erste Etappe dieser Marathonwahl hatte Ende November in Kairo, Alexandria und sieben weiteren Provinzen begonnen. Dort hatten die Muslimbrüder den ersten Platz belegt, gefolgt von den radikalen Islamisten. Linke und liberale Kandidaten erhielten nur wenige Sitze. Die dritte Wahletappe in den restlichen Provinzen beginnt am 3. Jänner.

Die Wahl wird begleitet von einem Streit über die vom Obersten Militärrat eingesetzte Übergangsregierung, die von einigen Gruppierungen nicht akzeptiert wird. Außerdem sind die Islamisten gegen ein vom Militärrat eingesetztes Beratergremium, das auch Einfluss auf die neue Verfassung haben soll. Die Militärs hatten nach dem erzwungenen Abgang von Mubarak im Februar die Macht übernommen. (APA/dpa/AFP)


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