Geld von Raser in eigene Tasche gesteckt: Ein Jahr Haft für Polizisten

Seinen Job bei der Polizei ist er bald los, nun muss er auch noch ins Gefängnis: Ein 48-jähriger Polizist hatte im März 300 Euro von einem Raser in die eigene Tasche gesteckt. Als der Fall aufflog, soll er seinen Kollegen überredet haben, falsche Angaben zu machen. Am Mittwoch wurden beide verurteilt: Ein Jahr unbedingte Haft für den 48-Jährigen, 9000 Euro Geldstrafe für seinen jüngeren Kollegen.

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© TT / Thomas Böhm

Innsbruck - Ein 48-jähriger Polizist und sein 28-jähriger Kollege mussten sich am Mittwoch vor Gericht verantworten – im ersten Fall wegen des Verbrechens des Amtsmissbrauchs und der Verleumdung, im zweiten Fall wegen Falschaussage und versuchter Begünstigung.

Am 21. März hatte der ältere Polizist bei einer Verkehrskontrolle einen Südtiroler bei einer Geschwindigkeitsübertretung von 60 km/h erwischt. Anstatt ihn anzuzeigen und eine Sicherheitsleistung einzuheben, schickte er den jungen Mann zum Bankomaten. Mit insgesamt 300 Euro kehrte der Südtiroler zurück. Das Geld steckte der 48-jährige Polizeibeamte dann aber in die eigene Tasche und gab dem Raser den Führerschein wieder zurück.

Das kam diesem aber seltsam vor, sodass er Anzeige bei der Carabinieri erstattete. Über die Staatsanwaltschaft Bozen ging der Fall an das Tiroler LKA.

Geständnis vor Gericht

Nach mehreren Einvernahmen und massiven Versuchen, seinen jüngeren Kollegen - er bekam den Amtsmissbrauch nicht mit - zu falschen Angaben zu überreden, gestand der mittlerweile suspendierte Polizist heute die Zweckentfremdung der 300 Euro vor Gericht. Der 28-Jährige - er befindet sich weiter im Dienst - beschwor, dass er seinem Postenkollegen damals bei den Einvernahmen zum Vorfall nur helfen wollte. Sein Kollege wäre psychisch total am Ende gewesen und hatte offen mit Suizid gedroht. Niemals habe er aber geahnt, dass die Beschuldigungen gegenüber dem Kollegen über einen Verdacht hinausgehen und dieser tatsächlich das Geld in die eigene Tasche gesteckt habe.

Hintergrund dieser Verzweiflungstat ist nämlich, dass der 48-Jährige bereits einmal wegen illegaler Datenabfragen am Polizeicomputer wegen Amtsmissbrauchs verurteilt worden war und er dadurch beim kleinsten weiteren Anlass mit der Kündigung rechnen musste.

„Habe alles verloren“

So geschieht es nun auch. Mit Jahresende scheidet der Erstangeklagte aus dem Staatsdienst aus und muss eine Anstellung als Küchenhelfer annehmen. Schon jetzt habe er alles verloren, wie er gegenüber Richter Andreas Mair weinend darlegte. Er benötigt Psychopharmaka, um die Situation zu bewältigen.

Nach einem flammenden Plädoyer von Staatsanwalt Florian Oberhofer, wonach korrupte Polizisten streng bestraft werden müssten, fiel dann ein spektakuläres Urteil. Der Richter verurteilte den 48-Jährigen zu acht Monaten unbedingter Haft wegen der angeklagten Delikte und widerrief gleichzeitig die beim ersten Amtsmissbrauch verhängten vier Monate bedingte Haft. Das heißt: Aus der bedingten wird nun eine unbedingte Haftstrafe. Insgesamt muss er daher ein Jahr ins Gefängnis (8+4).

Über den gerade erst von der Polizeischule kommenden 28-Jährigen verhängte der Richter Geldstrafe in der Höhe von 9000 Euro. Beide Urteile sind nicht rechtskräftig. (fell)


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