Wiener Festwochen zeigen „Anatomie der Krise“

Eigentlich ist ein roter Programmfaden in Zeiten wie diesen „Gauklerei“, findet Luc Bondy. Ein künstlerische Bestandsaufnahme „in Ruhe und Gelassenheit“ fällt bei ständigen dramatischen Veränderungen schwer. Für die Wiener Festwochen, die von 11. Mai bis 17. Juni 2012 zum vorletzten Mal unter Bondys Leitung stattfinden, hat sich dennoch ein Motto durchgesetzt: „Die Anatomie der Krise“.

Für insgesamt 36 Produktionen wurden bei einem Budget von 14,2 Millionen Euro diesmal rund 50.000 Karten aufgelegt. Uraufführungen kommen etwa von Peter Handke, Ulrich Seidl und Paulus Hochgatterer, unter den internationalen Gästen ist nicht nur Cate Blanchett mit Botho Strauß‘ „Groß und Klein“, sondern auch Ariane Mnouchkine mit ihrem „Theatre du Soleil“ oder Simon Stephens mit seinen „Three Kingdoms“ kehren zurück.

In der Oper wird die Verdi-Trilogie, die zum 200. Geburtstag des Komponisten 2013 abgeschlossen wird, mit „La Traviata“ in der Regie von Deborah Warner (sie inszenierte bei den Festwochen bereits Purcells „Dido und Aeneas“) weitergeführt, die Reihe zeitgenössischer Opern setzt Luca Francesconi mit „Quartett“ fort.

„Angst, neuer Rassismus, Protest, immer unmöglicher werdende Lebensformen“, beherrschen das Schauspiel, wie Direktorin Stefanie Carp erklärte. Im Lateinamerika-Schwerpunkt (etwa mit einem Auftragswerk von Lola Arias und einer Arbeit von Guillermo Calderon) setzen sich Künstler mit den Widerstandsbewegungen ihrer Eltern auseinander, in einem zweiteiligen Gastspiel des „Living Dance Studio“ aus Peking geht es um chinesische Kulturrevolution.

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Aber auch nach Europa wendet sich die anatomische Krisenbesichtigung: Aus Ungarn kommen mit Arpad Schilling und seinem „Krizis“-Projekt sowie mit Kornel Mundruczo und seiner Coetzee-Dramatisierung „Schande“ (ein Auftragswerk) gleich zwei aktuelle Arbeiten, in den „Three Kingdoms“ werden drei Sprachen und drei Theaterensembles zu einem Krimi über die Fremdheit der Europäer untereinander zusammengespannt.

Die traditionelle Eröffnung der Festwochen findet am 11. Mai „zum vierten und letzten Mal“ gemeinsam mit der „Eurovision Young Musicians Competition“ statt, moderiert wird sie von Perkussion-Publikumsliebling Martin Grubinger.


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