Hass-Botschaft per Video und Demo mit NPD-Mitgliedern

Auf einer beschädigten Festplatte fanden die Ermittler zwei neue Bekenner-Videos der Neonazi-Killer. Ans Licht kam, dass 1996 zwei Mitglieder der Zwickauer Zelle Seite an Seite mit NPD-Funktionären in Worms demonstrierten.

Berlin – Es sind grausame Bilder: Fotos eines toten Blumenhändlers, der im September 2000 in Nürnberg aus nächster Nähe erschossen wurde, begleitet von martialischer Musik der ehemaligen Nazi-Band „Noie Werte“. Ermittler haben nun zwei weitere erschreckende Bekennervideos der Zwickauer Zelle rekonstruiert. Gespeichert waren diese auf der Festplatte eines Computers, die beim Brand der letzten Wohnung des Neonazi-Trios schwer beschädigt wurde. Der eine Film ist laut „Bild“-Zeitung zwei Minuten lang, der andere dauert fünf Minuten.

In den Videos aus den Anfängen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ feiert die rechte Terrorbande ihre ersten grausamen Morde. Sie zeigen nicht nur die Bilder der Opfer. Ergänzt wird das schaurige Schauspiel mit nachgestellten Szene, etwa die eines Sprengstoffanschlags auf eine Deutsch-Iranerin im Jänner 2001 in Köln. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ).

Eindeutige Hass-Botschaft

Nach Ansicht der Fahnder der Ermittlungseinheit „Trio“ liefern die beiden Filme das Rohmaterial für das zynische „Paulchen Panther“-Bekennervideo. Dieses wurde 2007, wahrscheinlich mit Hilfe eines inzwischen verhafteten Helfers, fertig gestellt. Im November – kurz, nachdem Uwe B. und Uwe M. tot in einem Wohnmobil gefunden und Beate Z. verhaftet wurde – tauchten DVDs in Parteizentralen und Zeitungsredaktionen auf.

Die Aufnahmen aus den früheren Videos deuten laut SZ darauf hin, dass das Trio von Beginn an eine Mordserie plante. Sie würden nicht reden sondern handeln, heißt es in einem der Filme. „Jetzt weiß Enver Simsek (das erste Mordopfer, Anm.), wie ernst uns der Erhalt der deutschen Nation ist“, ist laut „Bild“ in einer Sequenz zu hören.

Die Bekennervideos seien laut Medienberichten wesentlich „aggressiver in Ton und Ausführung“ als der bereits bekannte Film. Die Hass-Botschaft darin sei eindeutig. Die Ermittler erkennen auch ein „klares Bekenntnis zu rechtsterroristischen Anschlägen“. Ungeklärt ist aber weiter, warum zwischen der ersten Mordserie 2001 und dem nächsten Anschlag im Februar 2004 eine so lange Pause lag. Auch auf die Frage, warum die Neonazi-Killer nach dem Mord an der Heilbronner Polizistin im April 2007 nicht mehr töteten, gibt es noch keine Antwort.

Seite an Seite mit NPD-Funktionären

Unterdessen wurde bekannt, dass Uwe M. und Beate Z. vor ihrem Verschwinden zusammen mit jetzigen NPD-Funktionären 1996 durch Worms marschierten. Nach Ermittlungen des rheinland-pfälzischen Verfassungsschutzes nahm neben Uwe M. und Beate Z. auch der heutige NPD-Bundesvorsitzenden Holger Apfel an einem nicht angemeldeten „Rudolf-Heß-Gedenkmarsch“ teil.

Außerdem seien auch Holger G. und der Ex-NPD-Funktionär Rolf Wohlleben bei der Demonstartion dabei gewesen, hieß es aus dem Mainzer Innenministerium. Die beiden Männer sitzen inzwischen in Untersuchungshaft. Ihnen wird vorgeworfen, das mörderische Trio während seiner Zeit im Untergrund unterstützt zu haben.

„Wir haben die Dimension ihres Hasses unterschätz“

Der deutsche Verfassungsschutz hat Versäumnisse eingeräumt. „Wir haben die Dimension ihres Hasses ebenso unterschätzt wie ihren Willen zur Tat“, zitiert die „Welt“ in ihrer Mittwochsausgabe aus dem Manuskript einer Rede von Heinz Fromm. Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz sprach Ende November bei einem nicht-öffentlichen Jugendkongress des Zentralrats der Juden in Weimar.

Fromm sagte laut dem Zeitungsbericht, es sei für ihn unvorstellbar gewesen, dass Rechtsterroristen gezielt Menschen erschießen würden. „Die Ermordung von Menschen aus dem einzigen Grund, weil sie als ‚fremdländisch‘ empfunden werden, passt in die Gedankenwelt der rassistischen Täter“, zitierte das Blatt weiter aus dem Redemanuskript. Der Verfassungsschutz habe sich dies „als Bombenanschlag oder als Brandstiftung“ vorstellen können, „aber nicht als eine kaltblütige Exekution“. (smo, dpa, APA/AFP)


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