Lebenslange Haftstrafe für einstigen Top-Terroristen „Carlos“

Der 62-Jährige, der mit richtigem Namen Ilich Ramirez Sanchez heißt, erhielt die Maximalstrafe; eine vorzeitige Begnadigung ist wegen einer zusätzlich verhängten Sicherheitsverwahrung von 18 Jahren kaum möglich.

Paris – Der einstige Top-Terrorist „Carlos“ ist zum zweiten Mal zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein aus Berufsrichtern zusammengesetztes Pariser Geschworenengericht befand den Venezolaner am späten Donnerstagabend für schuldig, hinter vier Anschlägen Anfang der 1980er Jahre auf Züge, Bahnhöfe und eine Zeitung zu stecken.

Der 62-Jährige, der mit richtigem Namen Ilich Ramirez Sanchez heißt, erhielt die Maximalstrafe; eine vorzeitige Begnadigung ist wegen einer zusätzlich verhängten Sicherheitsverwahrung von 18 Jahren kaum möglich. Seine Anwältin Isabelle Coutant-Peyre bezeichnete das Urteil als Skandal und kündigte Berufung an.

Der 1997 bereits wegen mehrfachen Mordes in Frankreich zu lebenslanger Haft verurteilte Ex-Terrorist hatte sich zuvor in einem fünfstündigen Schlusswort erneut als revolutionärer Märtyrer darzustellen versucht. Zum Ende des sechswöchigen Verfahrens hatte die Staatsanwaltschaft dagegen das Bild eines gewaltbesessenen Mannes ohne Reue oder Mitgefühl für die Opfer gezeichnet.

In dem Terrorprozess ging es um vier Anschläge mit insgesamt elf Toten und rund 150 Verletzten: Bombenanschläge auf den Zug Paris-Toulouse am 29. März 1982, auf den Pariser Sitz des arabischen Magazins „Al-Watan Al-Arabi“ am 22. April 1982 sowie einen Doppelanschlag am 31. Dezember 1983 auf einen Hochgeschwindigkeitszug Marseille-Paris und den Bahnhof in Marseille. Laut Anklage hatte Carlos die Anschläge in Auftrag gegeben, um die Freilassung zweier Komplizen zu erzwingen.

In Österreich hatte „Carlos“ bei dem Angriff auf die Wiener OPEC-Zentrale im Dezember 1975, bei dem drei Menschen getötet wurden, das Kommando geführt. Damals flohen die Terroristen, in deren Hand sich Dutzende Geiseln befanden, mit einem gekaperten Flugzeug über Algerien in den Nahen Osten. Auf ihrer Flucht wurde „Carlos“ vom damaligen österreichischen Innenminister Otto Rösch (S) auf dem Flugfeld in Schwechat per Handschlag verabschiedet, was diesem später heftige Kritik eintrug. Der Venezolaner und seine fünf Kampfgefährten wurden in Österreich nie vor Gericht gestellt. (APA/dpa/AFP)

Lesen Sie mehr über die Hintergründe des Opec-Anschlags unter http://go.tt.com/tZgse3.


Kommentieren


Schlagworte