Orkan „Joachim“ fegte über Europa und erreichte Tirol

Umgerissenen Bäume, beschädigte Dächer: Orkan Joachim, der quer über Europa fegte, erreichte am Abende das Unterland.

Innsbruck – Wind, Schnee, Regen: Sturmtief „Joachim“ tobte am Freitag durch Mitteleuropa und richtete dabei erheblichen Schaden an. Der Orkan riss vielerorts Bäume um, ließ den Verkehr teilweise kollabieren, heftiger Regen überflutete Straßen und in Spanien forderten die Böen ein Todesopfer und neun Verletzte. Auch Österreich blieb von den Naturgewalten nicht verschont.

Am Abend zog „Joachim“ ins Unterland

Sturmböen fegten am Abend über den Bezirk Kufstein. In Angath und Angerberg wurden Bäume umgerissen. In Niederndorf stürzte ein Baum auf eine Straße. Die Feuerwehrmänner konnte die Fahrbahn der Nebenstraße aber rasch wieder vom Baumstamm und Astwerk befreien.

Schlimmer wütete der Sturm im Passionsspieldorf Erl. Dort wurde das Dach eines Hauses schwer beschädigt. „Ein Viertel des Daches wurde abgedeckt”, schildert Feuerwehrkommandant Andreas Kronthaler die Situation. Immer wieder gebe es starke Böen in der Unteren Schranne.

Drei Kleinflugzeuge in Salzburg beschädigt

Im Gasteinertal im Salzburger Pongau hatte das Wetter einen Baum geknickt, der genau auf die Oberleitung der Tauernbahn fiel und dabei erheblichen Schaden anrichtete. Der Zugverkehr war am Nachmittag unterbrochen. Die Gerlos Bundesstraße (B165) musste zwischen Wald im Pinzgau und der Passhöhe für jeden Verkehr gesperrt werden.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Die erste Welle des Orkantiefs „Joachim“ hat am Freitagabend in der Stadt Salzburg und im Flachgau kurz nach 19.00 Uhr für zahlreiche Einsätze gesorgt. Am Flughafen Salzburg wurden im Bereich des General Aviation Centers drei Kleinflugzeuge vom Sturm erfasst und versetzt, teilte die Polizei mit.

Die Maschinen waren mit Betonsockeln an Flügeln und Heck gesichert. Ein Kleinflugzeug wurde nur leicht versetzt, zwei rückwärts in Richtung Innsbrucker Bundesstraße bewegt, wo sie durch Sträucher und einen Masten aufgehalten wurden. Wie hoch der Schaden an den Flugzeugen ist, steht noch nicht fest.

In der Stadt Salzburg und im Flachgau gab es zahlreiche Einsätze für die Feuerwehr. Bäume wurden durch den Sturm entwurzelt, Baugerüste umgerissen. Bei einer Schule in der Akademiestraße wurde das Dach eines Baucontainers ausgehoben.

Für die Obersteiermark brachte das Sturmtief ebenfalls Einschränkungen mit sich. So wurde die Triebener Straße zwischen Hohentauern und Trieben in beide Richtungen wegen umgestürzter Bäume gesperrt. Fahrzeuglenker mussten großräumig ausweichen.

Die Vorarlberger Feuerwehren rückten am Freitag wegen „Joachim“ bis 15.00 Uhr zu zehn Einsätzen aus. Laut Auskunft der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle (RFL) in Feldkirch betrafen diese zum Großteil umgeknickte Bäume, die Straßen und Wege blockierten. In zwei Fällen - in Hohenems (Bezirk Dornbirn) und in Mittelberg (Kleinwalsertal) - mussten Hausdächer gegen den Starkwind gesichert werden, hieß es.

„Joachim“ tobte über Deutschland

Orkan „Joachim“ ist am Freitag mit heftigen Windböen, Regen und Schnee über die Mitte Deutschlands Richtung Nordosten gefegt. Bei Neuschnee und glatten Straßen waren die Staus im Sauer- und Siegerland bis zu 20 Kilometer lang. Auch in Thüringen häuften sich nach heftigem Schneefall Verkehrsprobleme. Bei Dutzenden Unfällen wurden mehrere Menschen schwer verletzt. In der Südwestpfalz und in Baden-Württemberg stoppten umgestürzte Bäume den Bahnverkehr zeitweise. Auf den Brocken im Harz fuhren vorsorglich ebenfalls keine Züge mehr. In Frankfurt am Main bremste „Joachim“ den Flugverkehr. An anderen Airports fielen Flüge aus. Vielen Schülern bescherte der Orkan dagegen „Sturmfrei“.

Spanischer Pensionist von einstürzendem Dach erschlagen

Bei einem Ausläufer des Sturmtiefs kam im Südosten Spaniens ein Pensionist ums Leben. Der 70-Jährige wurde nach Angaben der Behörden am Freitag in Almansa beim Einsturz des Dachs seines Wohnhauses von Trümmern erschlagen. Im Baskenland wurden neun Menschen unter anderem von herabstürzenden Teilen verletzt.

Am Flughafen Zürich sind am Freitag wegen des Sturmes 119 Flüge annulliert worden. Der größte Teil davon musste auf dem Flugplan der Schweizer Fluggesellschaft Swiss gestrichen werden, wie Flughafen-Sprecherin Sonja Zöchling sagte.

Ein heftiger Sturm mit Schneefall hat in höher gelegenen Teilen Tschechiens ein Verkehrschaos ausgelöst. Die Autobahn D8 in Richtung Dresden war am Freitag zeitweise nicht befahrbar, weil der Verkehr im Erzgebirge im Schneetreiben steckenblieb. Das meldete das tschechische Fernsehen.

Schwere Schäden in der Slowakei

Sturmtief „Joachim“ hat am Freitagabend in der Slowakei etliche Schäden angerichtet. Es wurden Windböen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 137 Stundenkilometer gemessen. Starke Schneefälle machten mehrere Bergstraßen vor allem in der Mitte des Landes unpassierbar. Besonders betroffen von Winden war der Norden des Landes um die Hohe Tatra.

Ein Teil der Stadt Poprad (Deutschendorf) war mehrere Stunden ohne Elektrizität, weil eine Starkstromleitung durch umgestürzte Bäume beschädigt wurde. Umgekippte Bäume beschädigten auch Autos und blockierten Verkehrswege. Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet.

400.000 französische Haushalte ohne Strom

In Frankreich tobte sich „Joachim“ schon in der Nacht aus. In dem Sturm strandete vor der Südküste der Bretagne der unter Malta-Flagge fahrende Frachter „TK Bremen“. Die Behörden lösten Umweltalarm aus, da Öl auslief. Die Tanks sollten ausgepumpt werden. Der Frachter sei abgesehen von 220 Tonnen Treibstoff weitgehend leer.

In Westfrankreich fiel nach Regierungsangaben in rund 400.000 Haushalten der Strom aus, davon 100.000 in der Bretagne. In Straßburg blieb der Weihnachtsmarkt am Freitag zeitweise geschlossen - auf Anordnung der Stadtverwaltung. Um den 30 Meter hohen Weihnachtsbaum im Zentrum wurde eine Absperrung errichtet.

Auch in Großbritannien kehrte am Freitag der Winter ein, einige Flüge fielen aus. Im schottischen Glasgow wurden sechs Zentimeter Schnee gemessen, in Nordirland vier Zentimeter. Auch im Südosten der Region um London schneite es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Skispringen: Keine Quali

Die Qualifikation für das Weltcup-Skispringen in Engelberg ist am Freitagnachmittag ebenfalls wegen des Sturmtiefs „Joachim“ abgesagt worden. Weder Trainingssprünge noch Quali waren bei der Generalprobe für die Vierschanzen-Tournee möglich. Allerdings sind die Wettervorhersagen für Samstag und Sonntag (jeweils 13.45 Uhr) gut, die Einzelbewerbe sollten damit planmäßig über die Bühne gehen. (tt.com, APA/dpa/sda/AFP)


Kommentieren


Schlagworte