Blindes Paar in Wien vor Ertrinken gerettet

Es kann wohl als ein vorzeitiges „Weihnachtswunder“ bezeichnet werden. Ein blindes Paar stürzte in den Donaukanal. Sie konnten rechtzeitig gerettet werden.

Wien - Ein blindes Pärchen ist am Freitagabend von einem Schiffsbetreiber aus dem eiskalten Wasser des Wiener Donaukanals gerettet worden. Der sehbehinderte Mann (51) und seine Begleiterin (44) waren mit ihren beiden Führhunden gegen 20.00 Uhr am Donaukanal spazieren, als die beiden plötzlich vom Weg abkamen und ins Wasser fielen, berichtete die Polizei. Der Betreiber des in unmittelbarer Nähe angelegten Clubschiffs „Johann Strauss“, Roderich Walterskirchen, hörte die verzweifelten Hilferufe der Verunglückten.

Es waren dramatische Augenblicke: Kapitän Walterskirchen war gerade im überschwemmten Schiffsraum beschäftigt, als er „undefinierbare Schreie“ hörte, wie er im Gespräch mit der APA erzählte. Als er nach oben ging, um nachzusehen, entdeckte er im Wasser des Donaukanals zwei Personen. „Sie hatten keine Orientierung und riefen: ‚Wir sind blind, wir ertrinken‘“, schilderte Walterskirchen.

Das Pärchen fiel etwa 100 Meter von seinem Schiff entfernt ins Wasser und trieb auf die 150 Tonnen schwere „Johann Strauss“ zu. „Das hat einen wahnsinnigen Sog“, betonte er, die Gefahr unter das Gefährt zu geraten wäre groß gewesen. „Ich habe sofort Rettungsringe ins Wasser geworfen und den beiden Orientierungshilfe gegeben“, fuhr Walterskirchen fort. Er gab den Blinden Anweisungen nach rechts - vom Schiff weg - zu schwimmen. Dort konnten sich die Verunglückten auf einen Betonvorsprung am Ufer retten.

Schließlich setzte der Kapitän einen Notruf ab und verständigte die Einsatzkräfte. Die Feuerwehr stieg zu den Personen ab, um sie auf dem 30 Zentimeter breiten Vorsprung zu sichern. Mit Gurt und Rettungsleine gesichert, stiegen der Mann und die Frau schließlich über die Hakenleiter auf. Die beiden waren unterkühlt und erlitten Verletzungen an den Füßen. Die Wiener Rettung brachte den Mann und die Frau ins AKH.

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„Das Wasser hatte eisige Temperaturen, es ist ein Weihnachtswunder, dass die beiden das überlebt haben“, freute sich Walterskirchen. „Vier Minuten später hätten die beiden laut Notarzt keine Chance mehr gehabt.“

Das sehbehinderte Paar dürfte ohne ihre Blindenhunde, die frei herumliefen, die Orientierung verloren haben. Die ebenfalls verzweifelten Hunde wollten nachspringen. „Schließlich gab das Herrchen ihnen den Befehl, sich hinzulegen“, erzählte Walterskirchen. (APA)


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