Auf das Sturmtief „Joachim“ folgt der Schnee

In Österreich erreichten die Windböen Spitzenwerte von mehr als 150 k/mh. Der Höhepunkt des Sturms ist vorbei.

Wien/Berlin – Sturmtief „Joachim“ zieht langsam aus Mitteleuropa ab und hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Auch durch Österreich fegten heftige Windböen und bescherten den Feuerwehren zahlreiche Einsätze. Auf den Sturm von Freitagnacht folgte am Samstag vielerorts der Schnee.

Die höchsten Windgeschwindigkeiten wurden hierzulande am Freitagabend in Ober- und Niederösterreich gemessen, berichtete die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien. An exponierten Bergstationen waren diese beachtlich: So wurden etwa am Feuerkogel (1.600 Meter Seehöhe) in Oberösterreich 155 km/h registriert. Im Flachland erreichten die Spitzen bis 117 Stundenkilometer in Waizenkirchen (Bezirk Grieskirchen, OÖ). In Reichersberg (Bezirk Ried im Innkreis) wurden Freitagabend 108,7 km/h und in Richtung Braunau bis zu 100 km/h gemessen, berichtete die ZAMG.

In Niederösterreich lag der höchste Wert an einer exponierten Messstation am Jauerling auf rund 1.000 Metern Seehöhe bei 112 km/h. Auf der Wiener Jubiläumswarte wurden 113 Stundenkilometer registriert. In der Wiener Innenstadt erreichten die Sturmböen 79 km/h. Die durchschnittlichen Werte in Ober- und Niederösterreich lagen zwischen 60 und 90 km/h.

Auf Sturm folgte Schnee

Auf den Sturm folgt Schnee: Für das Flachland wurden bis Samstagabend Schneeschauer prognostiziert. Damit wären erste Schneemengen selbst in Wien nicht ausgeschlossen. Im Flachland von Salzburg und Oberösterreich könnten am Samstag fünf bis 15 Zentimeter Neuschnee niedergehen, berichtete die ZAMG. Im Nordstau der Alpen werden 15 bis 25 Zentimeter Neuschnee erwartet.

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Die Feuerwehren zogen am Samstag über die Einsätze der stürmischen Nacht Bilanz: In der Stadt Salzburg hatte der starke Wind am Freitag kurz nach 19.00 Uhr unter anderem in der Akademiestraße das Dach von Schul-Containern abgehoben und durch die Luft geschleudert, ehe diese die Fassade und das Dach des angrenzenden Altersheims beschädigten. Im Bereich des General Aviation Centers beim Salzburger Flughafen wurden durch den Sturm drei Kleinflugzeuge trotz Sicherungen versetzt und leicht beschädigt.

In Vorarlberg blieb die vorhergesagte „heiße“ Nacht für die Feuerwehren glücklicherweise aus. Sturmtief „Joachim“ hatte vor allem am Freitag tagsüber für zahlreiche Einsätze gesorgt, zeitweise war es auch zu Stromausfällen gekommen. Personen kamen nicht zu Schaden. Mit bis zu 115 km/h war „Joachim“ am Freitag über das Bodenseegebiet und Vorarlberg gefegt. Am frühen Abend hatte sich der Sturm noch einmal aufgebäumt und unter anderem im Sporthafen Bregenz mehrere Boote losgerissen. Als Folge des Sturmtiefs kam es in den frühen Morgenstunden bis in die Tallagen zu leichten, allerdings unergiebigen Schneefällen. In den höheren Lagen kamen jedoch bis zu 40 cm Neuschnee hinzu.

In Oberösterreich rückte die Feuerwehr zu rund 150 Einsätzen aus, zu größeren Schäden kam es nicht. Verletzt wurde niemand. Die am stärksten betroffenen Gebiete waren das Innviertel und der Bezirk Vöcklabruck, wo ein Großteil der Einsätze stattfand. Laut Landeswarnzentrale mussten die Helfer in Niederösterreich insbesondere in den Bezirken Lilienfeld, Tulln und Baden sowie im Waldviertel ausrücken. Bäume seien umgestürzt, Hausfassaden und -dächer beschädigt worden. Am Samstag selbst sei es „wieder ruhig“ gewesen.

Unwetterwarnung in Deutschland aufgehoben

In Deutschland hob der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach den starken Windböen am Freitag seine Unwetterwarnungen wieder auf. „Joachim“ ging nach Windgeschwindigkeiten von mehr als 150 km/h in der Nacht zum Samstag allmählich die Luft aus. Auf dem Zugspitzplatt genossen am Samstag rund 1.000 Wintersportfreunde bei leichtem Schneefall die ersten Schwünge, wie ein Sprecher der Zugspitzbahn der Nachrichtenagentur dpa sagte. Inzwischen liegt auf Deutschlands höchstem Berg rund ein Meter Schnee.

Bereits am Freitagabend zog „Joachim“ weiter Richtung Nordosten. In Polen wurden mindestens vier Menschen verletzt. In Tschechien warnten Meteorologen die Autofahrer weiterhin vor möglichen Schneeverwehungen. In der Slowakei waren am Samstag noch einzelne Bergstraßen vor allem in der Mittelslowakei wegen großer Schneemengen gesperrt. In der Hauptstadt Bratislava wehte der Wind am Freitag den Weihnachtsbaum vor dem Parlamentsgebäude um. In Frankreich musste wegen zu starken Schneefalls der Damen-Slalom in Courchevel abgesagt werden. In Südtirol fiel die Herren-Abfahrt in Gröden dem zu starken Wind zum Opfer: Der Lauf wurde nach mehreren Unterbrechungen nach dem 21. Läufer abgebrochen. (APA)


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