Spontane Trauerkundgebungen nach Havels Tod in Tschechien

Tausende versammelten sich am Sonntag, um dem verstorbenen Politiker und Schriftsteller zu gedenken.

Prag – Nach dem Tod des früheren tschechischen Präsidenten Vaclav Havel haben sich am Sonntagabend im Stadtzentrum von Prag tausende Menschen zu spontanen Trauerkundgebungen versammelt. An zentralen Schauplätzen der demokratischen Wende von 1989 legten sie Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Auf dem Wenzelsplatz, einem der Sammelpunkte der antikommunistischen Demonstrationen von 1989, lasen Studenten zu den Versammelten aus Havel-Biografien und -Gesprächen.

Wie vor 22 Jahren klapperten die Menschen mit ihrem Schlüsselbund und stimmten leise Protestlieder an. Vom Stadtzentrum zogen am späten Abend mehrere hundert Menschen in einem Trauerzug zur Prager Burg. Auch in der zweitgrößten Stadt Brünn (Brno) und in Ostrau (Ostrava) versammelten sich die Menschen am Sonntag spontan zu Trauerkundgebungen. Am Abend läuteten in ganz Tschechien die Kirchenglocken. „Havel war für mich ein Symbol der geistigen Veränderung“, sagte einer der Trauernden der tschechischen Zeitung „Dnes“.

Am Montag will die Regierung in Prag zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Dabei wird über die erwartete Staatstrauer entschieden.

Vaclav Havel war am Sonntag im Alter von 75 Jahren gestorben. Der Dramatiker und Dissident war bis 1993 Präsident der damaligen Tschechoslowakei, anschließend bis 2003 Staatsoberhaupt der neu gegründeten Tschechischen Republik. Obwohl das Präsidentenamt als Repräsentativposten galt, füllte Havel es als moralische Instanz aus. Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Amt betrieb er erfolgreich die Anbindung Tschechiens an NATO und EU. Vor und nach seiner Zeit als Präsident war er auch ein erfolgreicher Theaterautor. (APA/dpa)

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