Berlakovich fordert Konsequenzen aus Kanadas Kyoto-Rückzug

Keine oder nur eingeschränkte Ausstiegsmöglichkeiten.

Die schwarzen Wolken verheißen für Agrarminister Berlakovich in der ÖVP leider nichts Gutes. Er wird seinen Sessel räumen müssen.Foto: APA/Neumayr
© REDAKTION

Brüssel - Umweltminister Niki Berlakovich (V) hat angesichts des Rückzugs Kanadas aus dem Kyoto-Klimaschutzabkommen Konsequenzen für einen neuen Weltklimaschutzvertrag gefordert. So sollte es in dem neuen Weltklimaschutzvertrag eventuell gar keine oder nur mehr eine eingeschränkte Ausstiegsklausel geben. Wenn überhaupt wäre ein Ausstieg dann nur aufgrund eines Mehrheitsbeschlusses und nicht mehr einseitig möglich, sagte Berlakovich am Montag vor Beratungen der EU-Umweltminister zur Klimakonferenz in Durban am Montag in Brüssel.

Die Entscheidung Kanadas sei „fatal“ und gebe „ein völlig falsches Signal“, nämlich dass ein Industrieland den Klimaschutz nicht ernst nehme, sagte Berlakovich. „Das ist angesichts der dramatischen Entwicklung der Treibhausgase das falsche Signal.“ Er wolle das selbst beim EU-Umweltrat ansprechen, sagte der Minister. „Wir müssen den Schritt Kanadas bewerten und beleuchten vor allem in Hinblick auf den kommenden neuen Klimaschutzvertrag. Wenn das so einfach geht wie jetzt, dass ein Staat ein Jahr vor Ende des Programms aussteigt, keine finanziellen Verpflichtungen hat und sich vom Klimaschutz verabschiedet, dann muss man daraus die Lehren ziehen.“

Durban sei ein Erfolg für die Europäische Union gewesen, betonte Berlakovich. Die EU habe in langen Verhandlungen erreicht, dass die großen Emittenten wie China, Indien und die USA einem neuen Weltklimaschutzvertrag zugestimmt hätten. Nunmehr sei wichtig, dass die Arbeiten daran sofort beginnen, damit der Vertrag bis 2015 stehe und 2020 rechtlich in Kraft tritt. Berlakovich räumte ein, dass es ihm lieber gewesen wäre, wenn ein neues Klimaschutzabkommen rascher zustande komme, doch sei dieses Ergebnis von Durban realistisch gewesen.

Europa müsse von den fossilen Energieträgern wegkommen und die erneuerbaren Energien ausbauen, sagte Berlakovich. Dabei sei die Atomkraft keine Option. Österreich stehe dazu, weiter Treibhausgase zu reduzieren. Jeder Staat müsse seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. „Der Klimawandel stoppt nicht, macht nicht halt. Daher muss jetzt gehandelt werden.“

Berlakovich sprach sich außerdem dafür aus, den Kampf gegen den Verlust von Artenvielfalt in der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU zu verankern und die Bauern dabei einzubeziehen. In Österreich gebe es im Umweltprogramm schon Biodiversitätsmaßnahmen, wo Bauern Leistungen erbringen, um die Artenvielfalt zu sichern. „Den Weg wollen wir zukünftig in Europa weiter gehen.“ Berlakovich: „Die Artenvielfalt ist wichtig, weil sie eine Schatztruhe darstellt, genetische Ressourcen zu sichern.“ 50 Prozent der Medikamente, die weltweit gehandelt würden, kämen aus der Pflanzen - und Tierwelt. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten dürfe dies nicht in den Hintergrund geraten. (APA)


Kommentieren


Schlagworte