Gefangenenchor-Premiere bei Advent-Messe in Kärntner Gefängnis

Bravouröser Erstauftritt von Österreichs erstem Gefangenenchor in Justizanstalt Klagenfurt vor Bischof Schwarz.

Klagenfurt - Bei der traditionellen Advent-Messe von Bischof Alois Schwarz in der Justizanstalt Klagenfurt hat es am Dienstag eine Premiere gegeben: Österreichs erster Gefangenenchor der Justizanstalt Klagenfurt umrahmte den Gottesdienst mit seinen Gesangseinlagen. Es war der erste offizielle Auftritt des außergewöhnlichen Männergesangsvereins mit derzeit sechs Mitgliedern aus fünf Nationen. Dieser wurde mit Bravour gemeistert.

Gekommen waren neben rund 120 der insgesamt 300 Insassen auch Gäste wie Landesgerichtspräsident Bernd Lutschounig, Staatsanwaltschaftsleiter Gottfried Kranz und der Chef der Justizanstalt Klagenfurt, Peter Bevc. Begleitet wurde die Messe von Anstaltsseelsorger Pater Anton Wanner. Sie lauschten zur Eröffnung dem Lied „This little light of mine“, Bischof Schwarz ging daraufhin auf das „Licht in den Herzen aller Menschen“ ein. Weiter ging es mit Liedern wie „Kyrie eleison“, bei dem Schwarz mit einstimmte, „Wartet auf den Herrn“, „I want to go away“ oder „Oh happy day“.

„Wo man singt, dort lass dich nieder, böse Menschen kennen keine Lieder“, sagte Chorleiter Edi Oraze in Anspielung auf die singenden Häftlinge zur APA. Die Mitglieder würden über das gemeinsame Musizieren das Funktionieren einer Gruppe erleben. „Sie beginnen aufeinander zu hören und gegenseitig Rücksicht zu nehmen. Auch sprachlich geht für sie viel weiter.“ Geprobt wird seit dem heurigen März einmal pro Woche, knappe zwei Stunden lang. „Durch das Erreichen klar gesteckter Ziele wird der Selbstwert der Sänger gestärkt“, so Oraze, der im Brotberuf Volksschuldirektor ist.

Damit der Arbeits-, Ausbildungs- und Therapieprozess in der Anstalt nicht gestört wird, finden die Proben an den Wochenenden oder abends statt. Die Kosten übersteigen jene üblicher Freizeitaktivitäten nicht. Der Chor hatte seit seinem Start aufgrund der Fluktuation wegen Verlegungen oder Entlassungen von Insassen bisher bereits rund 35 Mitglieder. „Neben der gesanglichen Leistung hat der Chor einen besonderen pädagogischen und ethischen Wert“, sagte Anstaltsleiter Peter Bevc zur APA. „Die Mitglieder aus verschiedenen Nationen und unterschiedlicher Kulturen wachsen beim Singen zusammen und überwinden Barrieren.“ Der Bischof meinte „die Gefangenen haben die Advent-Messe jedes Jahr mitgestaltet, schön, dass sie sich jetzt in einem Chor organisiert haben“. (APA)


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