Bankomat-Diebstähle: Neun Verdächtige festgenommen

Seit Juni dieses Jahres bekämpft eine Sonderkommission unter Federführung des Bundeskriminalamtes (BK) die in Österreich aktiven Bankomat-Diebe. Und das offenbar nicht ohne Erfolg: Bisher sind neun mutmaßliche Täter festgenommen worden, berichtete Ewald Ebner, Leiter der Abteilung allgemeine Kriminalität im BK, am Dienstag. 14 Verdächtige wurden ausgeforscht.

Die Ermittler sind, auch wenn vieles noch im Dunkeln liegt, den Strukturen der Banden näher gekommen, selbst wenn die Inhaftierten bei ihren Einvernahmen eisern schwiegen. Den Erkenntnissen der Soko zufolge sind bisher sieben Gruppierungen in Österreich aktiv geworden, die nach drei verschiedenen Modi Operandi vorgehen.

Am technisch versiertesten präsentierte sich dabei jene Gruppe, die mit einem Gas-Sauerstoff-Gemisch die Automaten aufsprengt und die Geldkassetten entnimmt. Dafür sind Ebner zufolge sehr gute Kenntnisse notwendig, denn das Gemisch und die Menge müssen genau getroffen werden.

Daneben gibt es Täter, die die Bankomaten aufschneiden und dann das Geld entnehmen. Auch hier gilt dem Kriminalisten zufolge, dass man wissen muss, was man tut: Wo setzt man das Schneidgerät an, wie und wie fest?

Die primitivste Methode praktizieren jene Banden, die mit einem PS-starken, immer gestohlenen Gefährt am Tatort erscheinen, einen Gurt um die Bankomaten legen, diese mit dem Auto aus der Verankerung reißen und dann abtransportieren. In einem Wald werden die Geräte ausgeräumt, die leeren Automaten legen die Verbrecher irgendwo ab. Ebner zufolge wurden in einem Teich in der Slowakei vier geplünderte Geldautomaten gefunden. Der oberste ragte aus dem Wasser.

Österreich hat zwar eines der dichtesten Bankomatnetze in Europa, die laut Ebner allesamt aus Osteuropa stammenden Täter sind aber auf dem ganzen Kontinent tätig und dabei mitunter ausgesprochen reiselustig. Südfrankreich, Spanien und Portugal sind derzeit Schwerpunkte der Tätigkeiten der Diebe.

Die 53 versuchten und vollendeten Taten seit Jahresbeginn 2010 sind im europäischen Vergleich „nicht besonders aufregend“. Laut Ebner wurden in den Niederlanden allein heuer bis 10. Juni bereits 63 Taten registriert.

Neben der nationalen Soko, in die derzeit 16 Beamte eingegliedert sind, ist wegen der multinationalen Dimension des Problems auch Europol eingeschaltet. Bei der europäischen Polizeibehörde in Den Haag wurde unter dem Namen „Operation ATM“ ein Kommunikations- und Analysetool eingerichtet.


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