Venezuela fordert Aufnahme - Höhere Zölle beschlossen

Bei einem Mercosur-Gipfel in Montevideo haben die Vollmitglieder des südamerikanischen Wirtschaftsbündnisses höhere Zollschranken beschlossen.

Montevideo - Bei einem Mercosur-Gipfel in der uruguayanischen Hauptstadt Montevideo haben die Vollmitglieder des südamerikanischen Wirtschaftsbündnisses höhere Zollschranken beschlossen. Venezuela und Ecuador, bisher lediglich assoziierte Mitglieder, forderten eine Voll-Aufnahme in den Staatenbund.

Die Vollmitglieder des Mercosur - Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay - erklärten bei dem Treffen, durch höhere Zölle werde die Flut an Billigimporten nach Südamerika gestoppt. Diese gefährdeten Wachstum und Arbeitsplätze, sagte die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff. Sie zeigte sich auch besorgt über die negative wirtschaftliche Entwicklung in Europa. „Wir haben Grund zur Sorge über die Möglichkeit einer globalen Rezession“, sagte Rousseff. Die Mercosur-Mitgliedsstaaten müssten rasch handeln, um ihre Industrien zu schützen.

Bei seinem Auftritt am Gipfel forderte Venezuelas Staatschef Hugo Chavez mit Nachdruck die Aufnahme seines Landes in den Gemeinsamen Markt des Südens, wie das Bündnis offiziell heißt. Er kritisierte eine „kleine Menschengruppe“, die die Integration seines Landes verhindere. Das paraguayanische Parlament blockiert seit fünf Jahren durch seine Nicht-Ratifikation die bereits beschlossene Aufnahme Venezuelas in das Bündnis. Auch Ecuadors Präsident Raffael Correa forderte die Aufnahme seines Landes als Vollmitglied. Als Reaktion kündigte Uruguays Präsident Jose Mujica - wie die Staatschefs von Venezuela und Ecuador politisch linksgerichtet - die Einrichtung einer Kommission an, die Möglichkeiten zu einer rascheren Eingliederung der beiden Länder ausarbeiten soll.

Bei dem Treffen beschlossen die südamerikanischen Staaten, künftig keine Schiffe unter der Flagge der britischen Falklandinseln in ihren Häfen anlegen zu lassen. Vor dreißig Jahren hatten Großbritannien und Argentinien um die auf Spanisch „Malvinas“ genannte Inselgruppe Krieg geführt. Der Konflikt war zuletzt nach Probe-Ölbohrungen in den Gewässern rund um die Falklandinseln wieder aufgeflammt.

Am Rande des Gipfels ereignete sich unterdessen offenbar eine Tragödie: Der argentinische Unterstaatssekretär für Außenhandel, Ivan Heyn, wurde tot aufgefunden. Auf Kreisen der Gipfelteilnehmer hieß es, er habe sich erhängt. Er hatte erst zwei Wochen zuvor sein Amt angetreten. Die argentinische Präsidentin Christina Kirchner zog sich daraufhin von den Gipfelgesprächen zurück; ein gemeinsames Abschlussfoto wurde abgesagt. (APA/dpa/Reuters/AFP)


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