Kriminalpsychologe: „Hass aufs Kind spielt in der Regel keine Rolle“

Rudolf Egg: Mutter handelte eher aus Verzweiflung.

Wien - Vier Tage vor Weihnachten ertränkt eine Tiroler Mutter ihre siebenjährige Tochter in der Badewanne. „Der Hass auf das Kind spielt dabei in der Regel keine Rolle“, sagte der deutsche Kriminalpsychologe Rudolf Egg im Gespräch mit der APA. Väter hingegen seien häufiger von der Rache an der Frau geleitet. Eine Mutter dürfte viel eher aus Verzweiflung handeln.

Mordende Mütter stehen am Ende ihrer Hoffnungen. Die Art und Weise wie man jemanden umbringt, hänge dem Kriminalpsychologen zufolge mit den vorhandenen Möglichkeiten zusammen. „Ertränken ist eher leicht, ich kann eine Alltagssituation für Gewalttaten nutzen. Zum Messer zu greifen, ist eher brutal und ich besudle mich womöglich noch selber“, meinte Egg. Ihm seien mehrere Fälle von Kindstötungen bekannt, wo Kinder ertränkt wurden. „Meine Interpretation ist, dass dies im Rahmen von Alltagshandlungen geschieht, die Mütter sowieso machen - wie etwa ein Kind zu baden.“

Beim Neonatizid, der Kindstötung von Neugeborenen, sind die Täterinnen oft sehr junge psychisch labile Mütter, die womöglich ungewollt schwanger wurden, wenig über Schwangerschaft und Mutterschaft informiert sind und sich dann, wenn sie plötzlich mit dem Kind dastehen, völlig hilflos, unsicher und verzweifelt fühlen. „Eine Frau, die ein siebenjähriges Kind hat, findet eine andere Situation vor“, sagte der deutsche Kriminalpsychologe Rudolf Egg im Gespräch mit der APA. Wenn von den Müttern das eigene Leben sinn- und wertlos empfunden wird, quält sie häufiger der Gedanke an einen gemeinsamen Tod, um den Kind ein Leben ohne die Mutter und deren Fürsorge zu ersparen.

Die Tatsache, dass Weihnachten kurz vor der Tür steht, spielt bei so einer Tat wahrscheinlich keine große Rolle. Es sei laut Egg aber erwiesen, dass gerade vor Weihnachten häufiger Suizide und gewalttätige Konflikte auftreten. „Zu Weihnachten richtet sich alles auf eine positive Stimmung aus, alles soll friedlich, freundlich sein. Der Konflikt ist dann umso schlimmer, weil er im krassen Gegensatz zu diesen Erwartungen steht.“ (APA)

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