Südkorea als Endabnehmer für in Finnland gestoppte Raketen vermutet

In Finnland ist ein offenbar umfangreicher Waffenschmuggel aufgeflogen: 69 Patriot-Raketen und 150 Tonnen Sprengstoff wurden gefunden.

Helsinki - Die auf einem Frachtschiff im finnischen Hafen Kotka entdeckten 69 Luftabwehrraketen des US-Fabrikats „Patriot“ und über 150 Tonnen militärischer Sprengstoff könnten mit Endziel Südkorea unterwegs gewesen sein. Laut der finnischen Innenministerin Päivi Räsänen geht aus den Begleitpapieren des Waffentransports ein südkoreanischer Name als Abnehmer hervor. Räsänen zufolge war zwar der Sprengstoff in den Frachtpapieren als solcher deklariert, die Raketen hingegen als „Feuerwerkskörper“.

Aufgeflogen ist der Waffentransport demnach, weil der Militärsprengstoff nicht wie vorgeschrieben in Sicherheitscontainern, sondern in Säcken zu je 25 Kilogramm verpackt gewesen sei, so die Ministerin laut dem finnischen Sender YLE. Sowohl der Sprengstoff als auch die Patriot-Raketen seien beschlagnahmt worden. Räsänen bestätigte auch, dass die Frächter - ein dänisches Unternehmen - für Rüstungsgüter keine Transitgenehmigung durch finnisches Hoheitsgebiet besaßen.

Die Ministerin wollte nicht ausschließen, dass zumindest der korrekt deklarierte Sprengstoff während der Feiertage wieder auf das Schiff verbracht und weiter an den ersten Zielhafen des Frachters, Schanghai (China), und möglicherweise weiter nach Südkorea geliefert werden könnte. Was mit den 69 Raketen, die von der finnischen Armee an einen „geeigneten“, aber geheimen Ort gebracht wurden, geschehen soll, ist vorerst unklar. Das Frachtschiff „Thor Liberty“ sollte in Kotka unter anderem zusätzlich eine Holzfracht und eine Papiermaschine an Bord nehmen.

Die finnischen Ermittler - eine Arbeitsgruppe aus Zoll und Polizei habe mit ihren deutschen Kollegen Kontakt aufgenommen, hieß es. Laut dem Schiffsroutenbeobachter-Portal „marinetraffic.com“ kam des Frachtschiff aus dem deutschen Hafen Rendsburg in Schleswig-Holstein. Unklar ist, ob dort die Waffen an Bord geladen wurden.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Ein Zollermittler sagte gegenüber der finnischen Nachrichtenagentur STT, er sei in seiner Berufslaufbahn noch nie mit so einer umfangreichen Rüstungsfracht konfrontiert gewesen. Ob es sich um einen Schmuggel oder ein Versehen bei der Deklaration der Last handelt, sei noch nicht geklärt, zitierte STT den Chef der Zollfahndung, Petri Lounatmaa.

Die Ermittler sehen jedenfalls Hinweise dafür, dass es sich bei dem Waffengeschäft um einen „Handel zwischen Ländern“ dreht und nicht etwa um einen Schmuggelversuch von Terroristen. Ob die Ermittlungsergebnisse öffentlich gemacht würden, sei derzeit nicht sicher, sagte der Kripo-Ermittler Timo Virtanen. Falls sich herausstellen sollte, dass der Waffenhandel grundsätzlich legal abgewickelt wurde, dann sei es als „Geschäftsgeheimnis“ zu betrachten und die Öffentlichkeit würde von der Polizei keine Details erfahren.

Derzeit betrachten die finnischen Behörden den Kapitän und den Steuermann des Schiffes als des Waffenschmuggels und Seesicherheitselikten bezüglich verdächtig. Die Besatzung - rund ein Dutzend ukrainische Matrosen würden derzeit als Zeugen einvernommen. Das Schiff wurde unter Quarantäne gestellt und wird derzeit von der finnischen Streitkräften bewacht. (APA)


Kommentieren


Schlagworte