Stichwahl der zweiten Etappe in Ägypten lief an

Ägypten wählt weiter. Das Interesse sinkt. Krawalle bleiben aus.

Kairo - Nach tagelangen Unruhen sind die Ägypter am Mittwoch in ruhiger Atmosphäre zur Wahl gegangen. Erstmals seit vergangenem Freitag gab es keine Ausschreitungen auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Die Beteiligung an der Stichwahl in der zweiten Etappe der Parlamentswahlen war Medienberichten zufolge deutlich geringer als zuvor.

Die Wahllokale bleiben bis zu diesem Donnerstagabend geöffnet. Die erste Parlamentswahl in Ägypten seit dem Sturz von Präsident Mubarak im Februar findet in mehreren Phasen in jeweils einem Teil des Landes statt. Zur Stichwahl aufgerufen sind diesmal 18,7 Millionen Ägypter in neun Provinzen. Sie können ihre Stimme den Kandidaten von Parteilisten sowie Direktkandidaten geben. Die Stichwahl ist notwendig, weil im ersten Wahlgang nahezu kein Kandidat mehr als die Hälfte der Stimmen erhalten hatte.

Nach bisherigen Zwischenergebnissen aus der ersten und zweiten Wahlrunde liegen die Islamisten in Führung. Sie könnten künftig das Parlament mit seinen 498 Abgeordneten dominieren. Die Wahl soll nach einer dritten Runde in weiteren Provinzen am 11. Jänner enden. Dann soll eine neue Verfassung geschrieben werden. Ende Juni 2012 sollen die Ägypter ihren Präsidenten wählen.

Am Dienstag hatten Sicherheitskräfte Demonstranten angegriffen. Auch Frauen wurden bei Protesten in den vergangenen Tagen wiederholt geschlagen. Nach Protesten Tausender Frauen entschuldigte sich der Militärrat offiziell für das gewaltsame Vorgehen von Soldaten und kündigte ein hartes juristisches Vorgehen gegen die Verantwortlichen an. Fotos von Soldaten, die auf eine verschleierte Demonstrantin einprügelten und diese teilweise entkleideten, hatten für Empörung gesorgt.

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Unterdessen haben die fundamentalistischen Salafisten versichert, den Friedensvertrag mit Israel aus dem Jahr 1979 anerkennen zu wollen. Von früheren Regierungen geschlossene Verträge seien einzuhalten, sagte ein Sprecher ihrer Partei Al-Nour am Mittwoch im israelischen Militärradio. „Wenn es Klauseln gibt, die das ägyptische Volk in solchen Verträgen ändern will, muss dies am Verhandlungstisch geschehen“, fügte er hinzu. In dem Vertrag hatte Ägypten als erstes arabisches Land Israel als Staat anerkannt. (APA/dpa/AFP)


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